Homcr's Vatrachomyomachic erklärte, und ganz erfülltvon seinem Gegenstand äußerte, es könne der unver-gleichliche Stoff in so unvergleichlicher Lieblichkeit derBilder und des sprachlichen Ausdrucks in keiner Spracheder Welt wiedergegeben werden, und wenn sich allePoeten derselben zusammensetzten. Dieß bewog mehrereZuhörer, zu versuchen, das homerische Gedicht in dielateinische, französische und deutsche Sprache zu über-setzen, und den letzteren Versuch machte Nollenhagen.Professor von Wcinsheim freute sich darüber, schlugaber vor, die homerischen Gedanken und Andeutungennoch weiter auszuspinncn, und so entstand denn, leideretwas mehr als weit ausgesponncn, «Der Frösch undMäuse wunderbare Hofhaltnngc», welche sich als etwasneues, seit Neinecke Fuchs, als dessen Scitenstück derFroschmäuseler zu betrachten, nicht dagewesenes, schnellBahn brach und in vielen aufeinander folgenden Auf-lagen das lesende Publikum entzückte. In Reimpaarenund in ächt Hans Sächsischer Weise bewegt sich dashumoristisch-satyrisch-didactischc Thierepos durch dreistarke Bücher, in denen die Anmuth und der Reiz derSchilderungen nur häufig durch allzugroße Längen ab-geschwächt wird, außerdem konnte das Gedicht als einsatirischer Spiegel aller und jeder Zeit und den inihnen vorkommenden Schwankungen der Vorliebe für dieeine oder die andere Ncgierungsform dienen. Selbst Nach-ahmungen fand auch Rollcnhagen's Froschmäuseler —Nachahmungen, die sich so recht als Jliadcn Post Ho-merum kund gaben.
Von Wittenberg kam Nollenhagen 1567 nachMagdeburg , wurde Prorektor der dortigen Domschuleund erhielt 1575 auch eine Prcdigerstellc am StiftSt. Sebastian, die er später mit einer gleichen amStift St. Nicolai vertauschte. Er bewahrte sich, trotzeines siechen Körpers, seine natürliche Heiterkeit, vereintmit einem frommen und gläubigen Sinn, verfaßtemehrere Schulschriften, und lateinische Gedichte, welcheletztere erst sein Sohn herausgab. Er ließ nur einePredigt drucken, und sühnte dadurch die ermüdendenLängen in seiner Volksepopoe, schrieb auch noch: Wahr-hafte Lügen von gcist- und natürlichen Dingen, diedurch seinen Sohn Gabriel für den Druck besorgtwurden, und «Vier Bücher wunderbarlicher unerhörterund unglaublicher indianischer Reisen Alerandri Magni,Plinii Secundi, Luciani Oratoris und S. Brandanidurch die Luft, Wasser, Land, Hölle, Paradieß uudHimmel», in welchem Buche namentlich die ReisenBrandan's nicht ohne poetischen Schmuck sind.
Dabei war Nollenhagen ein treneifrigcr Schulmann,wurde 1575 Rektor in Magdeburg und begleitete diesesAmt vier und dreißig Jahre lang, wie er denn beiseinem, im sieben und sechzigsten Lebensjahre erfolgenden,zuletzt oft ersehnten Ableben zwei und vierzig Jahrelang der Schule zu Magdeburg gedient und mehrfacheRufe nach auswärts ausgeschlagen hatte. Er warzweimal verhcirathet und hatte zwölf Kinder.
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