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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Georg RoUenhagen.

Geb. d. 22. Slpril 1.V>2. gest. d. 18. Mai UM.

Ein origineller Geist, ein ächtes Kind seiner Zeit, alsDichter des «Froschmäuseler » beliebt und anerkannt,bisweilen sogar überschätzt, und dann wieder von vielenunverdient mißachtet oder vergessen.

Nollenhagen's Geburtsort war Bern au, ein Städt-chen in der Mark Brandenburg, wo sein Vater, dener früh verlor, Tuchmacher, Brauer und Oekonom war.Der Großvater erzog und adoptirte den fähigen Knaben,und ließ ihn die Schule zu Prenzlau besuchen. Vonda wollte er 1558 auf jene zu Magdeburg abgehen;die Reise führte ihn nach Mansfeld , wo der KanzlerDr. Georg Müller ihn kennen lernte, und zum Lehrerseiner Kinder annahm. Später ging er doch noch nachMagdeburg , besuchte die dortige Schule und nahmabermals eine Hofmeisterstclle bei den Söhnen einesangesehenen Mannes zu Halberstadt an, welche inMagdeburg ihren Unterricht genossen, dann bezog ermit letzteren die Hochschule Wittenberg und hatte dasGlück, schon 1563 zum Rektor ver Schule zu Halber-stadt ernannt zu werden, wo er zugleich die Stelleeines Predigers mit versah und sich kirchlichen Geschäften

widmete. Dieses geistliche und Schulamt hielt ihn nichtab, den Eingebungen seiner von Natur heitern Musezu folgen, und gar manches zu schreiben, was mitdem rigorosen Ernst, den man besonders zu seiner Zeitvon den Männern der Schule und Kirche forderte, nichtin allzugroßem Einklang stand. Er war aber nun einmalein Mann aufgeweckten und munteren Temperamentes,und daher jedenfalls ebenso liebenswürdig als beliebt.

Rollenhagen schrieb Gedichte und Lustspiele, undspäter noch viel anderes, womit er seine Umgebungerheiterte, obschon ihm das eigene Leben vielfach durchKranksein verbittert wurde. Im Jahre 1507 verließer seine Stellen zu Halberstadt unv begab sich wiedernach Wittenberg , wo er Magister wurde. Von daaus machte Rollenhagen eine Reise nach Braunschweig und Goßlar, knüpfte angenehme Bekanntschaften an,und begab sich wieder nach Wittenberg zurück. Dortwar es, wo die erste Anregung zum Froschmäuselerin der Seele des jungen Dichters entstand. Rollen-hagen wohnte als Zuhörer den Vorlesungen des Pro-fessor Dr. Veit Ortcl von Weinshcim bei, welcher