Vom Jahre 1580 bis 1606 dauerten die Nachtti-schen Neligionshäudel, die mit der Austreibung derProtestanten aus dieser Reichsstadt endeten; 1582 be-gannen die Neligiouswirren in Cöln, gegen ErzbischofGebhard, den der Papst entsetzte; Rudolf bestätigte dieEntsetzung und kränkte die Protestanten dort, wie jenezu Augsburg, Straßburg und in der Mark Branden-burg in ihren Rechten.
Die Erb- und Lehcnsfolgc in den Landen Jülich und Eleve, auf welche Lande der Kaiser Sequestrationlegte, hätte nahezu einen Krieg veranlaßt, und wecktedie protestantische Union, die 1609 in Schwäbisch Hall errichtet wurde, welcher die katholische sogenannte «hei-lige» Liga entgegentrat. Dem türkischen Kaiser wardie Verwirrung im deutschen Reiche willkommen, under begann in Ungarn einzufallen und das Land zuverheeren, der Türkcnkrieg währte von 1595 bis 1606.
Der arme, that- und rathlose Kaiser war überallverhaßt; die mindeste Ursache, ihn zu lieben, hattendie Ungarn ; sie verlangten des Kaisers Bruder Erz-herzog Matthias zum Statthalter, und aus dem Statt-halter wurde nach wenigen Jahren ihr König. Auchin Böhmen ward Unruhe rege, die Protestanten for-derten mit Ungestüm Religionsfreiheit; Rudolf wollteden Böhmen seinen Bruder Erzherzog Leopold zumStatthalter aufdringen, der sie in Schranken haltensollte; dieser rückte mit einem Heere heran und be-mächtigte sich der Kleinseite Prags , während die Alt-stadt ihn tapfer abwehrte, bis der zu Hülfe gerufeneMatthias mit seinen Ungarn herbei eilte, Prag entsetzte,uud 1611 auch Böhmens Königskrone auf seinemHaupte sah.
waren des Wirrsals unter einem thatlosen und ohn-mächtigen Neichsoberhauptc ebenfalls müde, und thatenSchritte, eine neue Wahl vorzunehmen, doch sollte demKaiser das Recht des Vorschlags zustehen. Indeß liebtedieser nichts mehr als die Ruhe und den Friedenwissenschaftlicher Beschäftigungen, umgab sich mit Astro-nomen, Astrologen, Magikern und Alchymisten, wieTycho de Brahe , Keppler, Deo, wie mit Malern undMechanikern, in deren Kreise ihm wohler war, als imStaatsrathe. Rudolfs Regiment war ein Regimentder Minister, in deren Wahl er noch dazu höchst un-glücklich war, und es ging auch da, wie es stets geht,wenn ein Regent nicht Augen hat zum sehen undOhren zum hören. Die Minister ließen den Laborantenauf dem Throne laborircn und nach den Sternen sehn,und regierten an seiner Statt das Reich, daß es zumerbarmen war. Dabei wurde der Kaiser immer ver-schlossener, menschenscheuer und fast tiefsinnig, auch vomäußersten Mißtrauen beherrscht, da ihm Tycho de Brahcaus den Sternen prophezeit, daß ihm von seinen nahenVerwandten Unheil drohe, eine Prophezeiung, die sichfreilich mit voller Wahrheit erfüllte, denn seine Brüderentsetzten ihn förmlich der Regierung seiner Erblande.Rudolf ging nun nicht einmal mehr in die Kirche; ererging sich auf wohlverwahrten Gängen, wo niemandihm nahen, oder ihn sehen konnte. Endlich starb ihmauch noch zuletzt ein Liebling, ein zahmer Löwe, überdessen Tod sich der deutsche Kaiser so mächtig grämte,daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß des Thieres Ab-leben Antheil am bald darauf erfolgten Tode Ru-dolfs II. hatte, und so folgte ihm denn jener Matthias,dem, wie sehr er sich mit Macht umgab und solche ansich riß, die Sterne auch nicht glückverkündend strahlten.
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