Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Joachim von Sandrart .

Geb. d. 12. Mai IM«, gest. INI».

V5iir bedeutender Mann, ebenso sehr als ausübenderKünstler, wie als Epoche machender Kunstschriststellerund Kunstforscher ausgezeichnet,

Sandrart wurde zu Frankfurt am Main ge-boren und entstammte einer altadeligen Familie, dieihren Ursprung aus den Niederlanden herleitete, ohnedaß jedoch die Nachkommen sich adelig schrieben. Durchäußere Verhältnisse unterstützt konnte Sandrart nebendem Empfang guten Unterrichts der eigenen Neigungfolgen, die ihn frühzeitig zur zeichnenden Kunst führte.Die berühmten Kunsthändler und selbst Maler undKupferstecher de Bry und dessen Schwiegersohn, Mat-thäus Merlan der ältere, munterten den jungen Künstlerlebhaft durch das Lob auf, das sie seinen Zeichnungenzollten, welche, obschon nur Kopien älterer-Kupfersticheund Holzschnitte, den Originalen täuschend ähnlich waren.Der Kupferstecher P. Jßelburg, welcher mit gewandterTechnik manches große und gute Blatt schuf, unter-richtete Sandrart im stechen und radiren, bis letzterer,erst 15 Jahre alt, nach Prag reiste, um sich in dermit Vorliebe ergriffenen Kunst von dem noch höher

begabten Aegidius Sadeler weiter fortbilden zu lassen.Sadeler glaubte aber in Sandrart mehr Maler- alsKupferstechertalenr zu erblicken und rieth ihm an, nachUtrecht zu dem Maler G. Honthorst zu gehen. Beidiesem begab sich Sandrart nach damaliger Zeitsitteförmlich in die Lehre, und machte bedeutende Fort-schritte, so daß Honthorst ihn als Begleiter auf einerReise nach London mitnahm, wo Sandrart vielfacheBeschäftigung fand, auch mehrere Gemälde Holbein'scopirte. Später reiste Sandrart nach Venedig undNom, begeisterte sich an den unsterblichen Werken deritalienischen Meister und stand bald in der Mitte derdeutschen Künstler und ihres Bundes, der Schilderbent,in Achtung und hohem Ansehen. Dort malte Sandrart seinen bewunderten «Tod des Seneca», ein Nachtstück,welches die königl. Gallerte zu Berlin schmückt; zeich-nete für den Marquis Giustiniani die, dessen Palastschmückende Statuen - Sammlung für ein Prachtwerk,das in zwei Foliobänden erschien, malte mehrere Bilderfür den Papst Urban Vlll. und studirte fortwährenddie Antiken. Von Rom aus machte Sandrart eine