Künstlerfahrt nach Neapel, Sieilien und Malta , nahmLandschaften und berühmte Gegenden auf, von denendann der ältere Merlan viele für die Werke seinesKunstverlages stach, und kehrte durch Apulien nachRom, 1635 aber nach Deutschland zurück, welches nunbereits seit 17 Jahren unter der Geisel des dreißig-jährigen Krieges seufzte und blutete. Dennoch in jenerver Kunst so durchaus unholden Zeit bekam Sandrarteine Fülle von Aufträgen, weil ein bedeutender Rufihm vorausging, und verehrende Huldigung ihm vonder Vaterstadt schon entgegen kam, eine seltene Aus-nahme von dem bekannten Sprüchwort. Sandrartvermählte sich mit Johanna von Milkau auf Stockn»,einer reichen Erbin, und lebte ein thätiges, seinerKunstausübung ganz geweihtes Leben, bis auch ihndie Kriegsunruhen zwangen, der lieben Hcimath Valetzu sagen. Er wandte sich mit seiner Familie undseinem Schüler, dem jüngern Mcrian, nach Amsterdam ,wo er fleißig fortarbeitcte und unter andern berühmtenBildern für den Kurfürsten Maximilian l. von Bayerndie 12 Monate und Tag und Nacht malte, welcheGemälde, nebst vielen spätern Bildern von ihm, nochheute ein Schmuck der königl. Pinakothek zu München sind. Sandrart erbte mit seiner Frau daS Familiengutderselben, Stockau, veräußerte seine Kunstvorräthe undSammlungen um eine sehr bedeutende Summe, undbezog sein Landgut, auf welchem er jedoch 16-17 alleSchrecken einer Plünderung durch die Franzosen erlitt.Indeß erlaubten ihm seine Verhältnisse nach dem balderfolgenden Friedensschluß die völlige Wiederherstellungdes ruinirten Gutes, und er lebte fortan im glück-lichsten Verhältniß nur der Ausübung seiner Kunst,wurde vom Pfalzgraf Wilhelm Philipp von Pfalz-Neuburg zum Rath ernannt, weilte jedoch nicht stetsauf seinem Gute, sondern machte einträgliche Kunst-reisen, und hatte namentlich durch Bildnißmalen, derener, wenn er wollte, in einem Tage zwei, jedes für50 Thaler, zu fertigen vermochte, einen erstaunlichenGewinn. Sandrart malte den großen Friedcnsschmaus,welchen 1619 der Pfalzgraf Carl Gustav den Reichs-ständen und den kaiserlichen und schwedischen Kommis-saren gab, 12' hoch und 9' breit, mit 50 wohlge-troffencn Bildnissen der Theilnehmenden, ein Bild,welches Georg Philipp Harsdörfcr in lateinischen Di-stichen feierte und General Wränget kaufte, um es demRathhause in Nürnberg zu verehren. Der Pfalzgraf,den das Glück auf den Thron von Schweden führte,schenkte dem Künstler 2000 Gulden rhcinl. und eine gol-dene Gnadcnkcttc von 200 Dukaten Werth. Sandrart
malte diesen freigebigen Fürsten zu Pferde, lebensgroßund lebcnstreu, so daß das lebende Pferd desselbendem gemalten zuwieherte, und der Fürst unterließ nicht,denen von seiner Umgebung, die an dem GemäldeAusstellungen machten, zu bemerken, sein Pferd scheinein der That mehr Kunstverständniß zu haben, wie sie;ein feines Kompliment, das aber wohl hier und danoch heute Wiederhast und Wiederholung finden dürfte.Von Nürnberg reiste Sandrart nach Wien , malte dortdie höchsten Herrschaften, ärntete reichen Lohn undempfing vom Kaiser das Adelsdiplom. Seine Familiebegleitete ihn, aber auf der Rückreise verlor er inAugsburg seine Frau, die ihm keine Kinder geschenkthatte. Er traf eine zweite Wahl mit Esther BarbaraVlomarts, Tochter eines Nürnberger Nathsherrn, undließ sich nun dauernd in Nürnberg , dem schonen Mittel-punkte ächt deutscher Kunst, nieder, wo er hochgeehrtund beglückt ein hohes Alter erreichte. Der Doge vonVenedig ernannte ihn zum Ritter des heiligen Markus,Kaiser Ferdinand III. beehrte ihn mit eigenhändiger Zu-schrift und schmückte das ihm früher verliehene Wappenmit einer königlichen Krone. Dasselbe zeigt drei Wein-trauben mit einer bis zur Schildesmitte aufsteigendenSpitze. In der den Helm zierenden Krone steht einPelikan mit Jungen.
In Sandrart's Gemälden waltet der Einfluß deritalienischen Malerschule seiner Zeit überwiegend vor;er war weniger ein sclbstschöpferisches Talent, als einglücklicher Nachahmer guter Vorbildncr. So groß undgeschätzt die Menge seiner Bilder ist, so nützte er alsKuustforscher der Kunst noch mehr, wie als ausübenderKünstler. Er schuf das Werk: Deutsche Akademie deredlen Bau- Bild- und Malerkünste, 2 Folianten, inwelchem er eine für seine Zeit und noch jetzt muster-gültige Kunstgeschichte lieferte, welche in einigen Aus-gaben erschien, auch in die lateinische Sprache übersetztwurde, und ihm die Aufnahme als Mitglied des Pal--menordcns verschaffte. Es ist mit zahlreichen Kupfer-stichen geschmückt, welche Künstlerportraits, antike Bild-werke u. dgl. darstellen, und kam als die beste Fruchtder eifrigen Antiken-Studien ihres berühmten Urheberszur Erscheinung. Die erste Ausgabe: Nürnberg 1678und 1679 wird der von I. I. Volkmann 1768 bis1775 besorgten neuen Ausgabe bei weitem vorgezogen.Mehrere der Gemälde Sandrart's erschienen im Stich,auch radirtc er einige wenige eigenhändig und geistvoll.So wirkte der begabte Mann nach vielen Seiten hin,und verdiente den Lorbeer, mit dem ein überlebenderKünstler, R. Collin, sein Bildniß umrahmte.