Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

unter dem Prinzen Coburg mit, führte das Uhlanen-Freicorps Jngclmanii und übte Thaten der Tapferkeit,welche die Entscheidung des Sieges in der Schlacht beiEhateau-Cambresis 26. April 1794 krönte. DieserSieg brachte ihm die Verleihung des Maria-Thcresia-Ordcns auf dem Schlachtfelde.

Von Stufe zu Stufe höher steigend in kriegerischenEhrenstellen, wurde Fürst Schwarzcnberg, der stetsunerschrockene Held, 1796 Generalmajor, 1799 Feld-marschall-Licutenant, und führte nun ein Uhlanenregi-ment unter seinem eigenen Namen. Als das Kriegs-glück sich im Beginn des Jahrhunderts gegen dieösterreichischen Waffen wandte, gelang es Schwarzen-berg's cinsichtvoller Führung, manchem Verlust vor-zubeugen und manch größeres Unheil abzulenken.

Da der Fürst nicht blos Feldherr, sondern auchdiplomatisch gewandt war, so wurde ihm 1802 schonein Gesandtschaftsposten am St. Petersburger Hofezugedacht, er nahm ihn aber damals noch nicht an,blieb dem Kricgcrstande treu und kämpfte mit bei Ulm und Austerlitz, nach welchen für Oesterreich unglücklichenSchlachten Fürst Schwarzenberg nnu die diplomatischeLaufbahn betrat. Er ging 1806 als Gesandter Oester-reichs nach Paris, 1808 nach St. Petersburg , gababer den Gesaudtschaftsposteu 1809 wieder auf undeilte zu den Fahnen zurück, fand Gelegenheit, sich aufsneue auszuzeichnen und wurde General der Kavallerie.Später leitete er die Verhandlungen der VermählungNapoleon's mit der Erzherzogin Maria Luise, und gabzu deren Vcrmählungsfeier ein glänzendes Ballsest,welches durch einen schnell um sich greifenden Brandfurchtbar tragisch endete. Oesterreich stellte seinem neuenVerbündeten ein Hülfshccr von 50,000 Mann gegenRußland, mit dessen Oberbefehl Napoleon den Fürsten betraute. Schwarzenberg überschritt den Bug, drangin Padolien vor, später auch, doch mit wechselndemGlück, in Volhynien, und sah sich zu rückgängiger Be-wegung gegen Warschau veranlaßt, wo General Sackenglücklich gegen Schwarzcnberg opcrirte, bis Napoleon'svcrhängnißvolle Stunde schlug und das französische Heerden Rückzug aus Rußlands Schneegefilvcn nahm. Eshatte den Anschein, als vermeide man gegenseitig soviel als möglich Zusammenstöße zwischen der zurück-gezogenen österreichischen Hülfsarmee und dem russischen,die französische Streitmacht verfolgenden Heere.

Abermals wurde Fürst Schwarzcnberg berufen, mitFriedensbedingungen nach Paris zu gehen, welche abersämmtlich von Napoleon zurückgewiesen wurden, bis

die Entscheidung auf die Schärfe des Schwerts ge-legt war.

Und nun begann Fürst Schwarzenberg's glücklicherStern seinem Gipfelpunkte zuzueilen. Sobald er vonder verfehlten Sendung nach Paris zurückkehrte undver Krieg erklärt war, erhielt der Fürst, dem bereitsder Oberbefehl über das in Böhmen zusammengezogeneBeobachtungsheer anvertraut war, als Generalissimusdas Commando der sämmtlichen verbündeten Heere.Diese ihohe und überaus wichtige Stellung verdankteder Fürst den glänzenden Eigenschaften seines Geistesals Feldherr, seiner Geschäftstüchtigkeit, Besonnenheitund Menschlichkeit; kaum konnte ein besserer an dieSpitze der Heere berufen werden, deren erhabene Auf-gabe die Erlösung Deutschlands von einem despotischenFeind war. Welche Schlachten Schwarzcnberg schlug,welche Siege er erkämpfte, wie auch er gleich demwackern Blücher «im Sturz und Sieg bewußt und groß»war, hat die Geschichte in eherne Tafeln gegraben.Sein Aufruf vor der Völkerschlacht bei Leipzig ent-flammte die Herzen der Streiter, sein Feldherrngeniushalf den schweren Sieg erringen und muthvoll wurdenun die Bah» des Sieges und aus derselben der flie-hende Feind verfolgt. Schwarzenberg schlug ihn auf demheimischen Bode» bei Brienne, bei Bar für Aube , bei Arcissur Aube, bei la Fere Champenois und bei Paris , indas er das Heer trinmphirend einführte, worauf er denOberbefehl in die Hände der Kriegsherren zurückgab.

Noch einmal, 1815, stand Fürst Schwarzcnberg alsGeneralissimus der gegen Napoleon aufs neue in denKampf gerufenen Heere, doch ohne zu thätigem han-deln Gelegenheit zu finden. Orden, Ehrendegen, Aus-zeichnungen aller Art lohnten den großen Krieger, demdas deutsche Vaterland ewigen Dank schuldet; seinKaiser verlieh ihm das Recht, das Hcrzschild desöstreichischen Wappens mit einem aufwärts gerichtetenDegen in sein Familienwappcn aufzunehmen, unter denhuldvollsten Ausdrücken, und eine Herrschaft in Ungarn als Familieneigenthum und Maunlehen. Schon 1817traf den edeln Fürst ein Schlag anfall und lähmte ihmdie rechte Seite. Ein organischer Fehler, ein Herz-leiden, untergrub das Leben des deutschen Helden. Erhoffte von dem berühmten Hahnemann in Leipzig Hülfeund reiste dorthin, um lebend nicht in die Heimathzurückzukehren. An dem Tage, an welchem er nach derSchlacht vor 7 Jahren in Leipzig eingezogen war(19. Octobcr), wurde durch dasselbe.Thor der Leichnamnach Böhmen abgeführt.