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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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düngen gebraucht, und zwar an die Höfe von Polen und Sachse». Der in allen Zweigen höherer staats-inännischer Geschäfte und im Dienst des Kriegs brauchebare Mann empfing von seinem Könige den schwarzenAdlerordcn, und, was noch höhere Geltung hatte, derKönig schenkte ihm sein volles Vertrauen. Im Jahr1739 wurde Schwerin General cn Chef der ganzenpreußischen Infanterie, im folgenden Jahre erhob ihnKönig Friedrich II. , bald nachdem er die Regierung an-getreten hatte, in den Grafenstand und ernannte ihnzum Generalfeldmarschall. So an die höchste Spitzedes Heeres gestellt, vertraut mit allen Plänen und Ent-würfen seines hcldenhcrzigen Königs und vom Kriegs-glück begünstigt, wurde es Schwerin nun nicht schwer,seinen Namen ruhmvoll auf die Tafeln der Geschichtezu schreiben. Der erste Schlesische Krieg hatte 1741begonnen, und der Sieg der preußischen Waffen inder Schlacht bei Mollwitz war das Werk der Einsichtund Tapferkeit Schwerins, denn der König hatte be-reits die Schlacht verloren gegeben und sich vom Schlacht-felde zurückgezogen. Aber Schwerin, obschon mit Wun-den bedeckt, behauptete mit unerschütterlichem Muthe,trotz seiner vorgerückten Jahre, das Feld und denSieg. Später nahm er noch Brieg und BrcSlau ein,und ging, nachdem dieser erste schlesische Krieg beendetwar, nach den Heilquellen Aachens, um seine durchdie Strapatzen des Feldzugs erschütterte Gesundheitwieder herzustellen. Der König ernannte seinen tapfer-sten Feldherrn zum Gouverneur von Neiße und Brieg ,und war erfreut, daß derselbe noch Kraft und neueRüstigkeit zeigte, auch im zweiten schlesischen Kriegewieder thätig zu sein. Während der König durch Sach-sen und die Lausitz in Böhmen einrückte, führte Schwe-rin ein Heer aus Schlesien nach Böhmen , worauf sichbei Prag beide Heere vereinigten und Prag zur Ueber-gabc gezwungen wurde. Leider konnte Böhmens Haupt-stadt nicht behauptet werden, ein Rückzug wurde zurNothwendigkeit, und Schwerin führte diesen mit so

viel Takt und Umsicht aus, daß derselbe fast einemerrungenen Siege gleich zu achten war. Nachdem 1745abermals der Friede geschlossen war, zog sich der be-jahrte Feldherr auf seine Güter zurück, und suchte aufsneue seine Gesundheit zu kräftigen, allein der Ausbruchdes siebenjährigen Kriegs rief ihn abermals zu denWaffen, zur Freude des ganzen preußischen Heeres,denn der «alte Schwerin», war von den Soldaten wieein Vater geliebt, weil er ihnen stets väterlicheGesinnung entgegentrug und Kraft und Muth desKriegers mit Milde und Schonung eines Vaters ver-einte. Wieder zog Schwerin aus Schlesien nach Böh-men , half den Sieg bei Lowositz erkämpfen, hindertedie Vereinigung Piccolomini's mit Brown und thatdem österreichischen Heere merklichen Schaden.

Im Jahr 1757 erfolgte von Seiten Schwerins,der sich nach Schlesien in die Winterquartiere zurück-gezogen hatte, ein neuer und siegreicher Einmarsch inBöhmen und eine abermalige Vereinigung mit demaus Sachsen anrückenden Heere seines Königs. Wiederwurde eine Schlacht bei Prag geschlagen, wieder wares Schwerin, der den Sieg gewann, aber mit demOpfer seines theuern Lebens. Mitten im Kampfenahm der tapfere Feldherr wahr, daß ein Theil seinerStreiter in Unordnung und Flucht zu gerathen drohte,ergriff selbst eine Fahne, und stürzte sich mit ihr, siemuthvoll schwingend, dem Kugelregen entgegen, indemsein Anruf die Schaaren ihm zu folgen begeisterte.Gleich darauf sank er, von 4 Kartätschenkugeln getroffen,entseelt vom Pferde; doch der Sieg ward erkämpft.

Lange und dauernd lebte und lebt noch immerSchwerins Andenken im Heere, wie im Volke. Meh-rere Gedächtnißsäulen wurden ihm errichtet, eine beiPrag auf der Stelle, wo er fiel, eine ältere zu Ber-lin , und auf dem neuesten Denkmal seines großenKönigs von Rauchs Meisterhand fehlt nicht SchwerinsHeldengestalt in der Zahl seiner ebenbürtigen Mitkäm-pfer in den schlesischen und im siebenjährigen Kriege.