Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Atz -

Philipp Jacob Spener .

Geb. d.. Jan. Iköö, gest. d. 5. Fcbr. 1705.

Einer der begabten Geister, welche, von ihrer Zeitbewegt, diese Zeit selbst bewegen, sie bahnbrechend um-zuformen streben, und häufig Liebe und Bewunderung,noch mehr aber Haß, Miskennung und Verfolgungernten.

Spener wurde zu Rappoltswciler im Ober-Elsaß geboren, wo sein aus Straßburg stammenderVater gräflich Rappoltstein'schcr Beamter war. DieAeltern waren beide christlich und fromm gesinnt undsuchten des Knaben Herz zu gleicher Gesinnung hin-zulenken, was auch in erfreulichster Weise gelang. Spä-teren Unterricht erhielt der junge Spener auf demGymnasium zu Colmar und vollendete dann von 1651an auf der Hochschule zu Straßburg seine theologischenund philosophischen Studien. Dort wurde er 1655Magister und zugleich Erzieher der Prinzen von derPfalz, als welcher er sich neben den erlernten Wissen-schaften noch in mancher andern Doctrin umthun mußte,und zunächst als Geneologist und Heraldiker auftrat,indem er einen Europäischen Adclsschauplatz verfaßteund eine Wappcntheorie in lateinischer Sprache schrieb,

mit welcher er der schlummernden Heroldskunst eineneue Bahn brach und sie als Wissenschaft feststellte.Nach Vollendung seiner Erziehcraufgabe wandte sichaber Spener dem mit Liebe begonnenen Studium derTheologie wieder zu und widmete sich demselben nochauf den Hochschulen zu Basel, Tübingen, Freiburg, Lyon und Genf, bis er wieder nach Straßburg zurück-kehrte und daselbst 1665 Freiprcdiger, 1664 Doctorder Theologie wurde.

Als Geistlicher durchschaute Spener mit klaremBlick, wie sehr die Protestantische Kirche Deutschlands im Argen lag. Erst war diese in sich zerfallen durchendlose und zwecklose Meinungskämpfe theologischerEiferer, die mit sich selbst mitten im Schoose ihrerKirche nicht einig zu werden vermochten, geschweige mitReformirtcn und Katholiken dann war sie heftig,wüthend und dreißig Jahre lang bekämpft worden, ohnebesiegt werden zu können; da war kein Bild protestantischkirchlichen Lebens, wie es Luther und seine Mitarbeitergeschaffen hatten, mehr zu erblicken; das starre Dogmawaltete, und der zelotische Eifer der Geistlichen stellte