Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Lazarus öpengler.

Geb. d. 13. März 1ä79, gest. d. 7. Sept. IM.

§einer bürgerlichen Stellung nach nur ein einfacherRathsschreiber der freien Reichsstadt Nürnberg , aberein Mann von hohem Geist, würdig der Neigung undFreundschaft, mit der die ausgezeichnetsten und hervor-ragendsten seiner deutschen Zeitgenossen ihn beehrten.

Spengler war Abkömmling eines alten in Frankenblühenden Geschlechts und wurde zu Nürnberg ge-boren. Der Vater schon war Schreiber des Rathes,ein Mann, dessen Ehe mit nicht weniger als 21 Kindernbeglückt wurde, von denen Lazarus das neunte war.Nach vollendeten Schuljahren bezog der junge Spenglerim 16. Jahre die Hochschule Leipzig , wo er sich demRechtsstudium widmete, ging von da, ohne großes undbedeutendes erlebt zu haben, wieder in die Heimathzurück, wurde Rathskanzlist und im Jahre 1807 Raths-schreiber, nachdem er sich bereits 1501 vcrheirathethatte. In bescheidener Stellung thätig, lag ihm Wohlmit ob, das Amt eines Syndieus zu verwalten, wieman ihn bisweilen genannt findet. Er wurde 1516unter die «Genannten» des größeren Rathes gewählt.

Als Luther in Wittenberg die Läuterung der Kirche

begann, war Lazarus Spengler in Nürnberg der ersteMann, welcher vom Strahl des neuen evangelischenLichtes berührt wurde, und schon 1510 verfaßte eranonym eine «Schutzrede» zu Gunsten der Lehre Luther's,welche sich in 4 Auflagen rasch vergriff, und bei derfünften Auflage nannte sich Spengler als Autor. Eskonnte nicht fehlen, daß nun die Verfolgung gegen ihnlosbrach. Der Eiferer Eck beehrte Spengler damit,dessen Namen der Reihe derjenigen hinzuzufügen, welchemit dem Banne des Papstes ausgezeichnet wurden,darunter auch der Name Wilibald Pirkheimer's war,und forderte den Rath zu Nürnberg auf, die Bullezu vollziehen, allein der Rath gab dieser Aufforderungin keiner Weise Gehör, sandte vielmehr Spengler alsAbgeordneten der Stadt zum Reichstage nach Worms ,wo er sich mit Luther persönlich befreundete, und dannausführlichen Bericht über den Reichstag erstattete.Später war Spengler bei der neuen Einrichtung desSt. Aegidien-Gymnasiums thätig, und wurde vomRathe zu einer Reise nach Wittenberg beordert, umin dieser Angelegenheit mit Mclanchthon sich zu be-