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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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gegeben hatte, ausgezeichnet und empfohlen wurde,empfing er im Jahr 1747 einen Ruf als Professoran das Jvachimsthal'sche Gymnasium. Dort wurdeSulzcr nach 1 "»fahriger, mit Segen gekrönter Wirk-samkeit Mitglied der königlichen Akademie der Wissen-schaften, verheirathete sich mit einem vortrefflichen

Mädchen, sah aber leider schon 1760 seine glücklicheVerbindung durch den Tod gelöst, was ihn mit dertiefste» Trauer erfüllte. Er reiste 1762 in sein Vater-land, wo er begann, seine so berühmt gewordene

«Theorie der schönen Künste» zu schreiben, durch welcheer Vater der »eueren Aesthetik wurde, und viele tau-fende, die der Theorie bedurften, für Bahnen gewann,die früher verschlossen waren. Sulzcr erschloß underoberte gleichsam mit diesen, Werke einem Zweige derPhilosophie eine neue Welt, die Welt des Schönen inwissenschaftlich gedachter Gestaltung. Die Schweizcr-

Heimath mit ihren unsäglichen 'Reizen heilte in etwasden Schmerz um die Gattin in Sulzer's Herzen; erkehrte 176!; wieder nach Berlin zurück, doch eigentlichblos um das Band zu lösen, das ihn an Preußens Hauptstadt fesselte, und bat um Entlassung von seinemLchramte. Diese gab ihm zwar der ihm huldvollgesinnte König, aber ziehen ließ er Sulzer nicht; erernannte ihn zum Professor der Nitterakademie mitansehnlichem Gehalt, und zugleich neben Sack undSpalding zum Mitglied einer rcformircndcn Schul-eommissivn, und schenkte ihm ein Stück Land in Moabit ,wo Sulzer sich ein Landhaus baute und einen schönenGarten anlegte, den der Abbate Michalosst sogar desBesingens in einem lateinische» Gedichte werth fand.

Der König, der sich der geistigen Kräfte des begabtenMannes in Angelegenheiten der Schulen mit Erfolgbedient hatte, ernannte Sulzer , während dieser zurWiederherstellung seiner Gesundheit eine Reise durchseine Heimath nach Frankreich und Italien unternahm,zum Direktor der philosophischen Classe der könig-lichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, undzeichnete ihn nach der Rückkehr öfters persönlich aus;doch widerstand der durch Krankheit angegriffene KörperSulzer's nicht allzu lange mehr dem sinken der Le-benskräfte. Sulzcr hat für Deutschland als Be-gründer der neueren Aesthetik klassische Bedeutung; seine«Allgemeine Theorie der schönen Künste» war die Fruchtzwanzigjähriger Studien und Forschungen; er erfaßtedas Kunstschöne mit lebenvollem Sinne, nahm es alslebendigen, grünenden Baum, nicht im Geist der vorihm herrschenden philosophischen Schule als rohenStamm, an dem man allerlei Schnitzelei versuchte.Daß die rastlos vorwärts schreitende neuere Zeit ihnüberflügelt hat, benimmt ihm nichts an seinem Werth.Er wob in vieles Moral ein, dieß war die Richtungseiner Zeit, die einen Geliert beseelte, die große Natur-forscher, wie selbst Linnc'e und Halter lehrte, das end-liche mit dem Glänze des unendlichen zu verklären,und die jedenfalls der Menschheit mehr znm Heile war,als die Verneinung und Ablängnung Gottes, mit derso mancher eingebildete Philosoph und Naturphilosophder Gegenwart sich vor seiner letzten Stunde brüstet.Sulzer's Hauptwerk erlebte auch »och nach des Ver-fassers Tode neue Auflage», und wurde von anderenmit Zusätzen und Nachträge» bereichert.