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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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auf einander häuften und alles Maaß dcS schicklichenaus den Augen verloren. Die Aufgabe des Geschicht-schreibers, der, wie Sleidau, noch mitten in den Be-gebenheiten und dem Wirrsal der Kämpfe stand, wardaher zunächst nur sorgliches Qnellcnsammcln und zweck-gemäßcS vorarbeiten mit ausscheiden unnützen, über-flüssigen und unsaubcrn Stoffes. In diesem Sinnevollbrachte Slcidan sein Hauptwerk: Lommonlariusdo statu roligionis ot roPulllicao Cormanorum 8ul>Larolo V-, an dem er 10 Jahre arbeitete, und vondem Kaiser Carl V. äußerte, der Autor müsse einen Spi-ritus familiaris zum Gehülfen gehabt haben. Slcidanschrieb lateinisch, sein Werk aber wurde fast in alleSprachen Europas übersetzt, und fand die größte An-erkennung, obschon es auch nicht an Tadlcrn fehlteund einer derselben, Bartholomäus Latomus , 11,000Fehler darin nachzuweisen sich erbot. Auch Wilhelmvon Grumbach nannte in einer seiner gedruckten Ver-thcidigungsschriften, die er während seiner Händel schriebund verbreitete, Slcidan geradezu einen Lügenhisto-riker; andere Gegner, wie Mascard und Possevin, be-schuldigten ihn der Parteilichkeit, allein immer überwogdie große allgemeine Anerkennung den einseitigen Tadel.

Im Jahre 15-12 begab sich Slcidan nach Straß-burg , erhielt dort eine Professur der NcchtSgclehrsamkeitund wirkte theils als Lehrer, theils bei verschiedenenAnlässen als Abgesandter des Rathes in nützlicher undfruchtbringender Thätigkeit. Er wurde sogar in An-

gelegenheiten der protestantischen Kircheneinrichtungennach England entsandt, und ebenso wohnte er demtridentinischen Concil bei. Leider brachte der gelehrte,thätige und cinsichtvolle Mann sein Leben nicht hoch.Schon im fünfzigsten Lebensjahre befiel ihn, wahr-scheinlich in Folge allzugroßer geistiger Anstrengung,eine theilweise Lähmung des Gehirns, welche sich durchgänzliche Vergeßlichkeit äußerte. Der ganze Wiffens-rcichthum des Mannes versank ihm wie ein Hort innächtliche Tiefe, selbst die Namen seiner Kinder entfielenihm. Allgemein verbreitete sich die leicht und gern ge-glaubte Fabel, es sei dem berühmten Geschichtschreiberdurch seine Gegner heimlich Gift beigebracht worden,damit er nicht, wie er vorgehabt, noch mehr des un-lieben schriebe. Natürlicher erklärte sich jedoch jener be-drohliche Krankheitszustand durch einen offenen Schadenam Beine, dessen vielleicht übereiltes zuheilen Ursachewurde, daß der Krankheitsstoff auf den edelsten Theilsich warf.

Slcidan endete im fünfzigsten Lebensjahre, mitRuhm genannt, ja von seinen Zeitgenossen so hoch ge-priesen, daß einige ihn gleichsam einen Fürsten derGeschichtschreiber seines Jahrhunderts nannten. GroßesIngenium, ausgezeichnete Frömmigkeit, Süße der Rede,wahrheittreu und keine Wahrheit verschweigend > soward Slcidan gerühmt, und darum verdient er auchvon der spätern Nachwelt nicht vergessen zu werden.