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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann Joachim Spalding .

Geb. d. 1. Nov. NI^I, gest. d. 26. Mai IM.

x5in Religionslehrer, wie er sein soll, voll gründlichentheologischen Wissens, voll Innigkeit und von ächtchristlicher Gemüths- und Gefühlswärme durchdrungen,den seine Zeitgenossen bewunderten und verehrten, undden die späte Nachwelt noch durch dankbare Erinne-rung feiert.

Johann Joachim Spalding wurde zu Triebsees in Schwedisch-Pommern geboren, wo sein Vater Schul-rektor und später Prediger war, der auch die ersteErziehung dieses Sohnes und eines Bruders desselbennaturgemäß leitete, und nebst seinem Nachfolger imSchulamte, beiden Knaben die Lehren der Bibel unddes Christenthums in sanfter aber auch ernster Weiseeinprägte. Beide Brüder besuchten später die Schulezu Stralsund und die Hochschule Rostock, wo sie Theo-logie studirten, ohne eben bedeutsame Anregung zuempfangen. Dann trennten sich die Brüder, und Jo-hann Joachim , der jüngere, nahm 1734 eine Haus-lehrerstelle in Greifswalde an, wo sich ihm Gelegenheitbot, seine Studien weiter und besser fortsetzen zu können.Spalding unterrichtete zu Grcifswalde die Sohne eines

Professors, Namens Schwarz, erfreute sich der Be-nutzung der Bibliothek dieses Gelehrten, befreundetesich mit einem geistvollen Magister, Namens Ahlwardt ,und sah sich durch Studium wie durch Umgang ungleichmehr und besser, als zu Rostock, gefördert. Nachanderthalbjährigem Aufenthalt zu Greifswalde disputirteer noch dort, kehrte dann auf eine Zeitlang in dasväterliche Haus zurück, übte sich im Predigen, schriebeinige Abhandlungen und nahm im Jahre 1737 aber-mals eine Jnformatorstclle auf dem Lande an, behieltsie bis 1740 und kehrte dann wieder nach seinem Ge-burtsort zurück, um seinen Vater im Amte zu unter-stützen. So verstoß ihm die Jugendzeit ziemlich ercig-nißlos, und sein Leben ward nicht durch ungewöhnlichesbewegt; er aber bildete sich im stillen fort, lernteenglisch , und wurde 1742 Hofmeister eines jungenAdligen, von Wolfradt, den er 1745 auf die Hoch-schule Halle begleitete. Auf der Reise dorthin wurdezu Berlin die Bekanntschaft des schwedischen Gesandten,Herrn von Rudenskiold, gemacht, welche für Spaldingbald von Wichtigkeit wurde, denn er nahm noch in