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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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demselben Jahre die Stellung eines Secrctairö bei demGesandten an, und blieb in derselben einige Jahre.In dieser Zeit lernte Spaltung Gleim und Kleist kennen,schlaft Freundschaft mit dem Hofprediger Sack, und be-nutzte seine Mußestunden zu literarischen Arbeiten, meistNebersetznngen aus dem französischen und englischen,und behielt trotz der veränderten Laufbahn seinenwahren innern Beruf und den Wunsch nach einer Prc-digerstelle fest im Auge. Im Frühling 1717 gingSpaltung noch einmal zur Unterstützung seines krän-kelnden Baters in die Heimath zurück, und wurde 1749Pfarrer zu Lafsahn in Schwedisch-Pommern. Dortbegann nun seine segensreiche Laufbahn als Kanzel-redner und Neligionslehrer und neben häuslichem Wohl-befinden in glücklicher Ehe das innere Glück, das treueUebung eines selbsterwählten Berufes gewährt. ImJahr 1757 erfolgte eine Versetzung nach Barth, woSpaltung erster Prediger und Probst der dort abge-haltenen Spnode wurde. Das häusliche Glück Spal-ding'S zertrümmerte leider der im Jahre 1702 erfolgteTod seiner zärtlich geliebten Gattin, doch traten imFrühling des folgenden JahreS zerstreuend und anregenddie befreundeten Schweizer Johann Kaspar Lavater ,Heinrich Füßlp, und Fclir Heft aus Zürich in Spal-diug's verödetes Haus, wo sie herzliche gastliche Auf-nahme fanden.

Das Jahr 1707 brachte Spaltung den Nnf nachBerlin als Oberkonfistorialrath, Probst und PastorPrimarius an der Nikolaikirche, an welcher er nun,zum zweiten male glücklich vermählt, lange eine segens-reiche Wirksamkeit übte, die sich auch auf Verbesserungdes Zustandes der Gymnasien erstreckte, und nachmanch anderer Richtung hin zu wichtiger Amtsthätig-keit führte, mit der sein Wirken als Kanzelrcdncr undtheologischer Schriftsteller fortdauernd Hand in Handging. Er verfaßte zahlreiche Schriften, gab wiederholt

Predigten heraus, nahm Theil an der Verbesserungdes Gesangbuches und der Liturgie, und war der ge-liebtestc, gefeiertste Prediger Berlins , indem er volleinfacher Anmuth der Rede, voll Wohllaut der Sprache,voll Verständlichkeit seines zu Heizen dringenden Aus-drucks alle Hörer gewann und fesselte, nnd sie mitsanfter Wärme zu dem erkennen der erhabenen Wahr-heiten der christlichen Religion Hinleitete, sie zu heben,ja zu begeistern verstand, was von vielen, die ihmnachfolgten und ihn sich zum Muster nahmen, wohlim gleichen Grade später nur der Bischof Dräseke wieder erreichte. Spaltung hatte das Unglück, auchdie zweite, geliebte Gattin zu verlieren, und das Glück,in einer dritten Ehe, die er 1775 schloß, abermalseine liebevoll theilnehmendc und sorglich um ihn be-mühte Lebensgefährtin zu finden.

Als König Friedrich II. gestorben war, nnd unter-dessen Nachfolger das berüchtigte Wöllner'sche Religions-edikt erschien, legte Spalding seine Propststelle und diemit derselben vielfach verbundenen Geschäfte nieder, zu-mal sich auch allmählig eine Abnahme seiner Kräfteeinstellte, welche sich nach nnd nach mehrte, doch bliebenihm manche Freuden des Lebens noch vergönnt, bisein sanfter Tod ihn aus dieser Zcitlichkeit abrief. AlleZeitgenossen, die ihn persönlich gekannt, vereinigtensich in Spalding's anerkennendem Lobe der Erfüllungseines Berufes als Geistlicher im ächtesten, höchstenSinne dieses Wortes, seiner läutern, überzeugungvollenBeredsamkeit, seiner ungeheuchelten Gottesfurcht, wieauch seiner unerschrockenen Freimüthigkeit. Ebenso ließenalle Einstchtvollen Spalbing's Schriften die vollste Ge-rechtigkeit widerfahren. Er leuchtete seiner Zeit vorals ein Muster correcten Sthls und Ausdrucks, weiler sich selbst durch vieles lesen gediegener Schriften aus-gebildet hatte. Das geistige Princip, das durch alleweht, ist Wahrheit und Schönheit.