Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Aus dem ziemlich einförmigen Leben zu Ansbach und vom dortigen Aktentisch hinweg führte sein Sternden Dichter in eine schöne poesievolle Episode, und zwarin die jetzt ganz S. Meiningenschc Stadt Nömhild.Um diese lagen über beiderseitige Rechtsansprüche diebeiderseitigen Herren, der Herzog Anton Ulrich znS. Mciningcn und Herzog Franz Josias zu S. Coburg-Saalfeld vor dem Reichshofrathsgericht zn Wien imProceß, welche Gerichtsstelle wegen Nichtbcfolgung cr-gangcner Mandate Seiten Herzog Anton Ulrichs eineErceutionscommisston nach Nömhild legte, zu der vonSeiten des beauftragten Mit-Erccutors, des Mark-grafen von Brandenburg Ansbach , Hofrath Strebetals Snbdelegirtcr mit Uz, letzterer als Commissivns-secretair, befehligt wurde. Die fruchtbare und freund-liche Gegend um Nömhild, die bewaldeten Basaltriesender beiden Gleichberge, die unter ihnen gelegene Trümmcr-stättc des alten Hcnncbergischcn Grafenschlosses Harten-burg, dann der Umgang mit schnell liebgewonnenenneuen Freunden, darunter Hosrath Grötzucr der bedeu-tendste war vereinten sich, dem Dichter angenehmenAufenthalt in 'Nömhild zu bereiten. Auch zartere Saitenseines Herzens blieben neben denen seiner Frohmuthtonenden Lyra dort nicht unberührt, und er schied nichtohne Wchmuth von dem freundlichen Ort, in welchemer auch seinen «Sieg des Liebesgottes» dichtete, dervoll geiselnder Satyrc ist und nicht ohne rächende An-griffe mancher darin lächerlich gemachten Schriftstellerblieb. Dasselbe Schicksal theilten mehrere'seiner lyrischenGedichte, wie aus seine» «poetischen Briefen» hervor-geht. Es wurde auch damals schon ein sehr rauherund unduldsamer Ton angeschlagen, der, nur in andererWeise, in neuerer Zeit oft genug wiederhallend ver-nommen wurde: der Lyriker sollte die Liebe nichtmehr singen; man sprach den Sängern der Liebe dasGefühl für Gott und Tugend mit derselben hohen Un-

fehlbarkeit ab, mit denen man ihnen im vierten undfünften Jahrzehnt des lausenden Jahrhunderts dasVaterlandsgefühl absprach; es wird aber Sänger derLiebe mit Gefühl für Gott, Tugend und Vaterlanddennoch geben, so lange auf Erden Menschenhcrzenschlagen und Lenze blühen. Auf derartige Angriffeantwortete Uz in seinen «Briefen» ruhig und gemäßigt,und blieb der er war, der Grazien und Camönenliebenswürdiger Liebling; ja er widerlegte durch seineerhabene «Theodicce» am geeignetsten den Vorwurfirreligiöser Denkart.

Erst das Jahr 1765 brachte dem Dichter einegesicherte Stellung als kaiscrl. Landgerichtsassessor zuAnsbach und gemeinschaftlicher Rath der Markgrafenvon Brandenburg Ansbach und Brandcnb. Kulmbach ,und die sich häufenden amtlichen Geschäfte entfremdetenihn den Musen eigentlich zu früh; doch trat er nochals geistlicher Liederdichter auf, und besorgte mit Schloß-prediger Jungkheim in Schwaningen das neue Ans-bachische Gesangbuch. Klopstock selbst hatte Uz zu geist-licher Liederdichtung aufgefordert, und Uz war vielleichtim selbstständigen Liede glücklicher als in der Abände-rung alter Kernlieder, an der schon manches gute Talentscheiterte und die stets mißlich bleibt.

Im Jahr 1790 wurde Uz Landgerichtsdirektor,Chef des Konsistoriums und Scholarch des Gymna-siums zu -Ansbach ; er verwaltete seine Aemter mitSorgsamkeit und Treue, und endete sein thätiges, abergeräuschloses Leben in Folge eines Schlagansallcs andemselben Tage, der ihm das Dccret als königl. preußi-scher Geheimer Justizrath und Landrichter zu Ansbach gebracht hatte. Im Schloßgarten steht sein Denkmal,eine kolossale Marmorbüste mit der bezeichnenden In-schrift: dem Weisen, dem Dichter, dem Menschen-freund.