mahlte er sich mit einer alten reichen Wittwe, die ernach kurzer kinderloser Ehe verlor; dadurch und durchandcrwcitc Erbschaften gelangte Wallcnstein zum reichenBesitze vieler Güter und vermochte eine bedeutende undhervortretende Rolle zu spielen. In dem Kampfe desErzherzogs Ferdinand von Stcicrmark gegen den Frei-staat Venedig (1610) führte er dein Erzherzog 200aus eigene Kosten ausgerüstete Reiter zu, unv zeichnetesich durch persönliche Tapferkeit aus. Nach dem Frie-densschluß gab ihm Kaiser Matthias ein Reiterregiment,und ernannte ihn zugleich zum Kämmerer, erhob ihnauch in den Grafcnstand. Jetzt schloß Wallcnstein einneues Band der Ehe mit der Tochter des begütertenkaiserlichen Rathes und Kämmerers, Grafen von Har-rach. Es war nun natürlich, daß er beim Ausbruchedes dreißigjährigen Krieges allen Versprechungen derAusständigen, die ihn auf ihre Seite zu ziehen ver-suchten, widerstand und zu seinem Kaiser hielt; undnun begann seine Hcldcnlausbahn, die er mit Siegenzeichnete. Der Erfolg war der Ankauf zahlreicherHerrschaften, deren Besitzer als Rebellen erschlagen odervertrieben waren, und die Erhebung in den Reichs-fürstenstand, an die sich die kaiserliche Belohnung mitder Herrschaft Friedland reihte. Bald ernannte derKaiser Wallcnstein zum Herzog von Friedland,und es umgab den letzter» nun Glanz und Fülle desAnsehens und Reichthums. Das Herzogthum desweltberühmten Feldherrn und späteren Generalissimusder kaiserlichen Heere umfaßte nicht weniger als 66Städte, Flecken und Dörfer, ohne die denselben nichteinverleibten Herrschaften. Des Kaisers Dank undLiebe war so groß, daß er sich nicht mit der schlichtenErnennung seines Günstlings zum Fürsten begnügte,sondern ausdrücklich ihm das Prädicat „Oheim auchUnseren und des Reichs Fürsten und lieben Getreuen"beilegte und verlieh. Dieß geschah 1623 und 1621.Wallcnsteins Dank und Anhänglichkeit war nicht min-der groß, wie seines Kaisers Gunst, und er rüsteteTruppen auf Truppen auS, erfocht Siege auf Siege.Der Sieg über die dänisch- wcimarischcn Truppen inSchlesien machte Wallenstein zum Herzog von Sag an,der Zug gegen Dänemark zum Herzog von Mecklen-burg, später verlieh ihm der Kaiser das Herzogthumvon Groß-Glogau, und es fehlte wenig, so wäreer König von Dänemark geworden. Wallcnstein übteseine Rechte als NeichSfürst in vollem Maaße aus, er-ließ vollwichtige Münzen Prägen, allein an Duca-ten jährlich 12000, mit seinem Bilde, Wappen undTitel. Sein HauS- und Hofhält war streng geregelt,ein Musterbild von Zucht und Ordnung, aber so sehrer ein guter Wirth war, so wenig kargte er, und woer zu belohnen Anlaß fand, belohnte er eher königlichals herzoglich, was indeß bisweilen trotz allen Reich-thums auch Geldverlegenheiten herbeiführte. Der Wal-lensteinische Hofstaat bestand auS 9 Personen des hö-heren Dienstes, 20 Leuten für den Leib- und Tafeldienst,deren Gesammtbcdicnung mit ihnen selbst ein äußerst
zahlreiches Personal mit der entsprechenden Menge vonPferden erforderte. Dazu die Kriegskanzlei, die Küche,die Silberkammer, der Stall — zusammen ein Leib-und Hofdienerpersonal von 900 Menschen und 1072Pferden. Wallenstein , zu dessen Fahnen alles fahrendeund herrenlose Kriegsvolk freudig strömte, hatte demKaiser im Jahre 1625 ein Heer von 20,000 Mannausgerüstet, das durch kaiserliche Truppen noch um10,000 Mann vermehrt von ihm dem Heere Tillyszugeführt wurde, später, auf 50,000 Mann gebracht,gegen den hcldenmüthigen Mansfelder kämpfte, und soerfüllte der Kriegslärm der wallenstcinischen Heeres-macht und des Feldherrn gefürchteter Name Deutsch-land von einem Ende zum andern. Nach der miß-lungenen Belagerung Stralsunds aber und dem Friedenmit Dänemark begann sein Stern sich zu trüben, esliefen dringende Klagen über die grausamen Bedrückungenaller Lande beim Kaiser ein, und dieser enthob Wallcn-stein der Würde des Generalissimus, 1630. Wallen-stein fügte sich ohne Murren, zog sich auf sein Resi-denzschloß Gitschin zurück, und lebte dort, wie auchabwechselnd zu Prag mit fürstlicher Pracht, und bliebmit dem erhabenen Freunde auf dem Throne, demKaiser, in ununterbrochenem Briefwechsel. Bald genugließ Köuig Gustav Adolfs Landung und Vordringendie Unentbehrlichkeit eines Feldherrn wie Wallcnsteinempfinden; er wurde wieder als Generalissimus mitgrößerer und ausgedehnterer Vollmacht als früher undmit den glänzendsten Versprechungen an die Spitzeeines Heeres von 10,000 Mann gestellt, und begannnun seine erneuten Feldzügc 1632. Wallenstein erobertePrag, vertrieb die Feinde aus Böhmen und wandte sichgegen Gustav Adolf, der den Sieg bei Lützen mitdem Opfer seines Heldenlebens erkämpfte. Nach strengvollzogenem rächenden Richtcrspruch über flüchtig ge-wordene Führer seiner Truppen und kurzer Winterrastbegann er 1633 den Krieg in Schlesien , und bald be-gannen nun auch gegen ihn die heimlichen Ränke-schmicdungen seiner Feinde, und der Kaiser zitterte vor-der übergroßen Macht, die er selbst in die Hände dieseseinen, kühnen Mannes gelegt hatte. Noch einmal warWallenstcin bereit, den Oberbefehl abzugeben, über-feine Feldherren waren dagegen, denn in ihm, nichtim Kaiser, sahen sie ihren Halt und ihre Stütze. EinBündniß derselben mit ihm, treu zusammen zu halten,wurde als Aufruhr und Hochverrath gegen den Kaisergedeutet, und dadurch die unglückliche Katastrophe her-beigeführt, die dem Leben des bedeutenden Mannes zuEger durch den schnödesten Meuchelmord ein Ende machte.Die gründlichen Forschungen der Neuzeit haben über-wiegend dargethan, daß Wallcnstein kein Hochverräthcrwar; daß nur ein Lug- und Truggewebe von Ver-rath und Hinterlist durch seine Feinde ihn fällte, unddaß sein Charakter in dieser Beziehung gerechtfertigtda steht, wenn auch die Weise seiner Kriegführungund manche Grausamkeit tiefe Schatten auf sein Lebenwurst.