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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Christoph Martin Ütieland .

Gcb. d. 5. Sept. 17ZZ, gest. d. M. Jan. I8Iä.

Ein Mann hellstrahlenden Ruhmes, welcher durch einlanges, reiche Frucht tragendes Leben hindurch mitbauteam Tempel der deutschen Nationalliteratur und sicheinen unvergänglichen Namen gründete.

Wieland wurde zu Hohheim, nahe der ehema-ligen freien Reichsstadt Biberach geboren; der Vaterwar Pfarrer des Ortes, wissenschaftlich gebildet und intheologischer Beziehung ein Anhänger der frommenRichtung, welcher unter vielen andern August HermannFrancke , sein Lehrer, zugethan war und sie angebahnthatte; später wurde der Pfarrer Wieland nach Biberach versetzt und gab im Vereine mit der trefflichen Mutterdem früh die glücklichsten Anlagen zeigenden Sohneeine sorgfältige Erziehung. Auch das poetische Talenterwachte frühzeitig in dem aufgeweckten Knaben under versuchte sich schon als solcher in mancherlei Dich-tungen, welche Versuche er in der Erziehungsanstalt desAbt Steinmetz in Kloster Bergen an der Elbe beiMagdeburg , wohin die Acltern ihn in seinem vier-zehnten Jahre brachten, fortsetzte, dabei die Klassikertüchtig studirte und diesen mehr Geschmack abgewann,

als der Theologie, für die er doch bestimmt war unddie seine junge Seele nur mit Zwcifelqualcn erfüllte,ihn trostlos, unglücklich und körperlich krank machte.Er hielt nur ein Jahr in jener Klostcrschule aus undkam dann nach Erfurt , wo er genas und freier athmete.Nach Vollendung der Vorbercitungsstudien kehrte Wie-land zu seinen Aeltern nach Biberach im Sommer1750 zurück, und dort erblühte ihm zuerst die Blumeder Liebe in der süßen und zärtlichen Bekanntschaft miteinem Fräulein Sophie Gutermann. Dann ging Wie-land auf die Hochschule Tübingen und schrieb sein Buch:«Die Natur der Dinge oder die vollkommenste Welt»,welches im Kreise der damals aufstrebenden jugend-lichen Dichtergeister, wie Bodmer, Sulzer , Hagedorn,Breitinger und anderer volle Anerkennung fand. Wegenschwacher Brust gab Wieland das Studium der Theo-logie auf und wandte sich zur Jurisprudenz, noch mehraber zogen den poetisch hochbegabten Jüngling schön-wissenschaftliche, philosophische und Sprachstudien an;er bildete an den Klassikern, namentlich an Horaz ,sich einen feinen und geglätteten Styl und gewann sich

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