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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Huldrich Zwingli .

Slcb. d. I. Jan. I-M, gest. i>. U. Oct. I.'«a.

§er dritte im reformatorischen Oiuhmcsbunde! Luther,Calvin und Ztvingli, das große Dreigestirn des sech-zehnten Jahrhunderts in seiner geistigen kirchenver-bessernden Bewegung. Geboren in der GrafschaftToggenburg zu Wildenhausen, wo sein Vater alsAmtmann mit zahlreicher Familie lebte, war Zwingli unter 8 Brudern der dritte, genoß den zu höher»Studien vorbereitendeil Schulunterricht zu Bern undwandte sich dann, um Philosophie und Theologie zustudiren, nach Wien und Basel. Er wurde in Basel Reetor zu St. Martin und erwarb 1506 die Magistcr-würdcft im Jahr 1506 nahm er einen Ruf als Predigerzu Glarus au. Eine Reihe von Jahren verwalteteer dieses Amt mit aller Treue; es gab ihm Muße zurForschung, welche ihn durch eifriges sclbstständiges Stu-dium der Bibel die Gebrechen der Kirche gewahr nehmenließ. Als in den Jahren 1512 bis 1515 die Schweizer-kantone vom Papst gegen Frankreich zum Kriege aufge-boten wurden, zog Zwingli mit der Mannschaft vonGlarus als Feldprediger, und empfiug dafür zwei Jahrelang vom Papst ein Gratiale von 50 st. Nach Been-

digung des Krieges erhielt er eine Berufung zumPrediger in Maria Einsiedeln , dem berühmten Wall-fahrtsort, lind gerade an dieser Stelle, wo Ncliguicukram, blinder Glaube, Wallfahrtung die höchstenTriumphe feierten, erweckte Gott Zwingli's Geist, sichdiesem Unwesen entgegenzusetzen, Anfangs nicht stürmisch,sondern mit kluger Vorsicht, bis der Ablaßkrämer V. Sam-son in der Schweiz denselben Unfug zu treiben begann,wie Tetzcl 1516 und 1517 in Sachsen. Zwingli'sRuf stieg und man berief ihn als Prediger am Domnach Zürich . Dort begann er seine neue Amtsthä-tigkeit an seinem 55sten Geburtstag, am 1. Januar1510, mit einer Predigt, voll reformatorischen Gei-stes, und da dieser ersten viele andere gleichen Inhaltesfolgten, so konnte es nicht fehle», daß er eine Pfaffen-partei aus den eignen Kollegen, den Domherren amZüricher Munster gegen sich in die Schranken rief,die ihn beim hohen Rathe verklagten und 21 ketzerischeSätze, die er gelehrt habe, gegen ihn aufbrachten.Allein diese Klage hatte nur die Folge, daß derMagistrat gebot, das Evangelium solle hinfort in der