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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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geläuterten Weise, wie Zwingli es lehrte, im ganzenCantan Zürich gelehrt werde», der AblaßprcdigcrSamson solle sammt seinem Neliguienkram den Clin-ton meiden und Zwingli unangefochten das WortGottes fernerhin lauter und rein predigen. Soward dem Reformator Zürichs ein Sieg fast ohneKampf zu Theil; er errichtete auch ein Gymnasium zuZürich , dessen Rektor er später wurde, empfahl seinenAnhängern die Schriften Luther's, und stimmte nurdarin nicht ganz mit Luther übercin, daß dieser, nachseiner Ansicht, noch viel zu viel vom alten Kirchen-Wesen beizubehalten trachte, so wie Zwingli Werth undGewicht darauf legte, bereits ein Jahr früher alsLuther , schon 1516, den Ablafikram öffentlich bekämpftzu haben. Je mehr Klagen die römische Kirche gegenZwingli erhob, um so kräftiger schützte ihn der Magistrat;vergebens verschrieen ihn die Dominikaner als Ketzer,weil er gegen die Fasten gepredigt, und siegreich ver-theidigte Zwingli im Jahre 1823 in einem zahlreichbesuchten NeligionSgespräche die von ihm aufgestellten67 Glaubensartikel, in denen er alle veralteten und über-flüssigen Satzungen der römischen Kirche verwarf, dienicht den Kern der Christuslehre bildeten, sondern eineSchaale aus Menschensatzungen und Pfaffcnerfindungcn.Vergebens suchte nun Rom den Reformator mit Ver-heißungen zu locken; bei einem zweiten Religions-gespräch 1528 verwarf er öffentlich den Bilderdienstund die altkatholischc Form der Messe, und bewirktedie Abschaffung beider, wie die Aufhebung der Klö-

ster im nächstfolgenden Jahre. Am 13. April 1525hielt Zwingli zum ersten male das Abendmahl in bei-derlei Gestalt, aber leider begann auch in demselbenJahre der unselige Abendmahlstrcit mit und gegenLuther, der in seiner Heftigkeit die symbolische Deu-tung, welche Zwingli dem Brot und Wein als Leibund Blut Christi im Abendmahl gab, unbedingt ver-warf und dadurch die trübe Spaltung zwischen Lu-theranern und Zwinglianern, später Protestanten undNeformirtcn hervorrief. Vergebens suchte LandgrafPhilipp von Hessen die streitenden Parteien durch dasNeligionsgespräch zu Marburg 1529, dem Luther wieZwingli in Person beiwohnten, völlig zu einigen. Manbegegnete sich gegenseitig mit Achtung und Liebe, aberman einigte leider nur sich darüber, über den Haupt-punkt uneinig zu bleiben. Wäre der wahrhaft fromme,geistcsklare und sanfte Zwingli länger am Leben ge-blieben, so wäre ihm vielleicht doch noch das Werk derEinigung gelungen, allein er opferte sich, indem er,da Zürich mit den umliegenden katholisch gebliebenenCantoncn Krieg führen mußte, als Bannerträger desCantons dem Heere wüthig voran schritt. Die Schlachtvon Koppel entbrannte, die Züricher wurden geschlagen,ihr Reformator fiel. Die siegreichen Feinde wüthetengegen seinen Leichnam, vertheilten und verbranntenihn. Seinen Nachruhm konnten sie nicht von der Erdevertilgen, rein und fleckenlos blühte dieser aus derAsche des Getödteten empor.