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II, Austritt,
«Lbernburg bei Rreuznach,
Eine mäßig erleuchtete Halle. Bertha v, Sickingen sitzt amSpinnrocken und spinnt, Ulrich v. Hütten steht an einemFenster. Es ist spät am Abend, Sturm und Gewitter, Dieersten Augenblicke nach dem Scenenwechsel ist es ganz still. Tannein greller Blitz.
HlltttN (mit strahlenden Augen:) Wie schön!(Es donnert heftig und lang.)
Hlltttll (halblaut!) Der Himmel stand in Flammenund die Erde war sein Spiegel! — (trüb:) Und jetztwieder dunkel und tot! Der göttliche Funke hat nichtgezündet; — verloschen ohne Erfüllung eines Zweckes.— Und hätte er gezündet —! Das göttliche Feuerverzehrte eine stinkende Menschenhütte i Der schmutzigeQualm entweihte die reine Luft und leuchtete nicht! —Ein mahnend Bild! — Vom Himmel herab kommt einegroße Seele und sucht aus Erden die Flammen derreinen Begeisterung zu entsachen für ein großes Ziel.Die große Seele verlischt wie der Blitz, ehe die Auf-gabe erfüllt, und zündet sie, dann flammt kein göttlich'Feuer auf; niedrige, schmutzige Leidenschaften lösen sichin der Menschenbrust zu gemeiner, unreiner Glut,und trüber, dicker Ranch steigt auf statt des lohendenFeners! — — (wie erwachend:) Ist das Kleinmut?! —(laut:) Weicht, ihr falschen Geister! (er erinnert sich an
Berthas Anwesenheit und schrickt leise zusammen. Sich an denTisch niederjepend stützt er das Haupt in die Hand , müde:)
Es wird spät! — Bist Du müde, Bertha?Sertha: Nein!
Huttriu Du bist so ernst, — siehst müde aus, —Willst Du warten bis Dein Vater zurückkommt? —Und wenn er heute nicht mehr käme?