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Ulrich von Hutten
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leicht absehen. Was geruhen also Ener Hoheit zuthun?

Ferdinand: Ich will mir alles reiflich über-legen.

Nassau: Macht's kurz, Herr Legat! Was ver-langt Ihr?

Aleander: Den Achtbefehl gegen Sickingen.Die Ausf ü h r u u g übernimmt der Churfü r st v o nTrier.

Ferdinand: Holt Euch morgen Antwort!

Äleander: Morgen? (besinnt sich-) Gut! Aufeinen Tag soll es mir nicht ankommen!

(Ferdinand winkt ihm, er sei entlassen.)Älrailder ^verbeugt sich vor Ferdinand, küßt seine Hand;

vor Nassau grüßend:) Diese Partie habe ich ge-wonnen! (ab.)

Nalsau: An dem ist ein Jude verloren gegangen!

Hoheit! Ihr seid zu freimütig, zu offen! In derDiplomatie gibt's eine Kunst: Zur rechten Zeitlügen. Die versteht Ihr noch nicht. Und eineandere: Zur rechten Zeit grob werden. Dieversteht Ihr wieder nicht. Hättet Ihr ihm vorgelogen,Sickingen sei bei der kaiserlichen Majestät in Ungnadegefallen, die Reichsacht über ihn beschlossene Sache, dahätte sich der Legat nicht über ihn gescheert. So bangtihm, wir könnten durch Sickingen einmal seine aller-heiligste und allerpäpstliche Pfaffenmastaustalt aussegenlassen. Und hättet Ihr den Menschen, wie er un-verschämt wurde, hinausgeschmissen, er wäre morgenum Kopflänge demütiger und biegsamer wiedergekommen.

Und wenn er jetzt erst noch erfährt, daß der Lutherwieder sein Wesen treibt! Hoheit, ich sehe trübe indie Zukunft.

Ferdinand: Morgen mögt Ihr mit ihm unter-handeln!

F. Erich Helf, Ulrich von Huttcu.

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