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Die Währungs-Debatte im englischen Unterhaus vom 17. März 1896
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kämpft um» heute nicht mehr (Oho!) und Ivenn es geschielt, so uiunntihn doch mir eine kleine Minorität ein, die noch nicht dazu gekommenist, sich mit der Litteratnr über diese Frage bekannt zu uuichcn (Heiterkeit!).Mau wird mir doch zugebe» müssen, daß es für einen gebildeten Mannheute »icht mehr möglich ist, in der früheren Weise das zu kritisieren,was die Ansicht der großen Majorität des französischen Bolls, desitalienischen Volks, des belgischen Polls, des deutschen Polls ist undtatsächlich aller Amerikaner ist. Und ebenso gievt es heute keinenunterrichteten Rntiona lölouom en, der es uoch wogen würde,in irgend einer Gesellschaft, so unwissend sie auch sein möge, die Gründegegen den Bimetallismus vorzubringen, die man einst beklatschte und miiallgemeinem Beifall ausnahm (LIissi'8!), Die ganze Tendenz der geklärtenöffentlichen Meinung ist zn Gunsten der Doppelwährung (Nein! Nein!)/''

der ihm hierin widerspricht, jede wissenschaftliche Befähigung ab. Aber möchteer nur einmal einen Blick z, B, in die Verhandlniigen der Berliner Silbcr-enquete von 1894 werfen, dann würde er wohl diese Redewendung nicht mehrgebrauchen. Wer in früheren Jahren an der Ausführbarkeit und Dauereiuer internationalen Festlegung des Silverwertes starke Zwcisel hatte, indoch durch die Erfahrungen der letzten Zeit voll gerechtfertigt worden. Inden letzten Jahren ist ans dem Währungsgebiete keine Thatsache eingetreten,die nicht den Versuch einer internationalen Vereinbarung als noch aussichts-loser erwiesen hätte; wir haben in dieser Beziehung schon oben S, 12 an dieallgemeine Erschütterung des Vertrauens auf das Silber, an die im Welt-verkehr zunehmende Einbürgerung der Vorliebe für den Goldgebranch n»dan den Ilebergciug der Hauvthandclsstaatcn zur Goldwcihrnng erinnert.

Im übrigen dient Balfour diese akademische Erörterung nnr zur Bcc-decknng seines Rückzngs: im Unterhaus handelte es sich uicht um die Doktor-frage, ob ein Hausse-Konsortium verschiedener Staaten im Staude sei, durchdcu Aufkauf von Silber dessen Marktpreis zu heben, sondern um die ganzbestimmte, aktuell-praktische Frage, ob er als verantwortlicher Minister seinemLande das Erperimcut der Einführung der freien Silberprägnug nud zwariu dem Verhältnis von 1 : 15'/z vorschlagen könne. Zugleich stellt er hier,wie seit Jahren, iu jeder seiner Währnngsreden, die Frage, welche Steige-rung durch einen solchen Doppelwährnngsbund die Silberprodnktion er-fahren und wie lange dann ein solch staatliches Haussekonsortium zusammen-halten werde, als wissenschaftlich gelöst hin, während die Abwägung der verschie-denen Möglichkeiten weniger Sache der Logik oder wissenschaftlichen Forschungnnd zudem die Anschauung der Fachgelehrte» allem eher, als dem Bimctnl-lismus günstig ist (ein deutlicher Wink hiefür liegt in der Umkehr frühererBimetallisten, wie Lexis, O. Hanpt, Pierson).

^ Anm. d. H.: All diese n. ci. Uebertreibnugen belicbi Balsour lseitIahreu zu wiederholen. Wenn er andeutet, daß die wissenschaftliche Forschungsich für die Doppelwährung entschieden habe, so kann er wohl nnr die eng-lischen Nationalökonomcu im Angen haben. Von den NationalökonomeuDeutschlands , von seinen Handels- und Gewerbetreibenden nnd von den öffent-lichen Blättern neigt sich auch nicht der fünfte Teil der Doppelwährung zu.Die französischen Nationalökonomen sind, von Eerunschi abgesehen, durchgehendeAnhänger der Goldwährung. Die Mitglieder der Lateinischen MünznnionFrankreich, Italien, Belgien haben ihre Not mit der Ucberznhl und derEntwertung der iu den Bankkcllern sich anhäufenden Fünffrankenstückc; abertrotzdem wnrcu ihre Delegierten auf der Brüsseler Konferenz von 1892 diereserviertesten, nnd diese Reserve beobachteten die Regierungen bis heilteman denke nur au die Darlegungen der französischen Minister Nibot vom