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II.
Adam Lux wurde in dem Dorfe Obernburg bei Aschaffen-burg als Sohn eines Landwirts geboren. Sein Landes-herr war der Kurfürst von Mainz . Das Datum seiner Ge-burt ist in den Anfang des Jahres 1766 zu verlegen, nicht1773, wie die LioZraptiis Universelle angiebt. Lux selberhat es so in seinem Strafprozeß zu Protokoll gegeben, nnddie bei der Familie eingezogenen Erkundigungen bestätigendie Thatsache. Dieselbe ist deshalb nicht glcichgiltig, weildaraus zu entnehmen ist, daß er bei seinem ersten Er-scheinen im öffentlichen Leben bereits ein Siebenundzwanzig-jähriger mar, also uicht der junge Thor, der Schüler bei-nahe, für den man ihn allgemein gelten läßt. Lux warin das Leben so eingetreten, wie Andere es verlassen, mitNeigungen, welche gewöhnlich erst am Schlüsse einer langenKette von Kämpfen und Enttäuschungen erworben werden.Die Landwirtschaft und die Bücher füllten zu gleichenTeilen sein Dasein ans. Nach beendigtem Studium, mit19 Jahren, wurde er zum Doktor der Medizin und Philo-sophie promoviert. Infolge einer tiefen Abneigung gegendie anatomischen Beschäftigungen verzichtete er indessen aufdie ärztliche Laufbahn; er nahm eine Stelle als Hofmeisterun Hause eines Mainzer Bürgers an, lernte dort einejunge Verwandte der Familie Namens Sabine Reuter kennenund vermählte sich bald darauf mit ihr. Kaum ist er ver-heiratet, so denkt er nur noch daran, der Stadt zu ent-fliehen, kauft sich ein kleines Grundstück in dem DorfeKostheim, Mainz gegenüber, und widmet sein Leben derBestellung seines Feldes und seiner Philosophie. Hinterseinem Pfluge herschreitend — so schildert er sich selber —überließ er sich seinen Lieblingsbetrachtungen über dasmenschliche Schicksal. Welches war nun das Wesen derLehren, die sich dieses Geistes bemächtigt hatten? Es ist