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südlicheren Völkern ist solche bezaubernde Grazie nicht seltenauch inMännern zn begegnen, nnd gerne mochte man glauben,was er manchmal halb im Scherze hinwarf, daß er vonden unter Ferdinand und Jsabella ans Spanien ver-triebenen Juden abstamme, seine Vorfahren nach der Ein-wanderung in Deutschland den früheren Namen des be-kannten Geschlecht der Dueros in die Sprache des adop-tierten Vaterlands überseht hätten. Etwas von der ge-messenen Würde des Spaniers war mit der Sanftheit derErscheinung wohlthätig verschmolzen. Das Gefühl dieserWürde entsprang in seiriem Gemüte aus einem hervor-stechenden Bedürfuiß nach Selbstachtung, welches den Stahlzum Charakter lieferte. Die Schule des Lebens gab ihmfrüh die Mittel, jenen Stahl zu härteu, doch sie giebt nurdem, welcher zu empfangen iveiß.
Er war der Sohn einer mehr mit Kindern als mitGütern gesegneten Familie. Der Großvater, ein an-gesehener Mann, weit und breit im Lande wegen seinerLebensivcioheit nnd Menschenfreundlichkeit bekannt und ge-liebt, lebte uoch in der andächtigen Erinnerung des Enkels,der den Sroff zu manchen seiner trautesten und fesseludsteuErzählungen au den Knieen des ehrwürdigen Alteu iu sichaufgenommen hatte. Der Vater betrieb einen Eisenhammerans dem Fuße begrenzter ländlicher Geiverbsthätigkeit indem böhmischen Dorfe Dnschnik und trug in seinem WesenSpuren vvu der Härte seines Berufes. Die Mutter, wieimmer, war die Gcbcrin des Guten und Bedeutenden inder Natur des Sohues. Sie muß nach seinen Schilderungeneine vortreffliche Frau gewesen sein, gut, edel, klug undselbstlos wie nur Mütter sind. Er war ihr Augapfel, siedie sanfte Heilige, die er schmerzvoll im Busen durchsLeben trug; denu früh riß ihn das Exil von ihr hinwegund ihr Auge sollte brechen, ohne daß ihr vergönnt war,