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2 (1894) Charakteristiken
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den lang Entbehrten nvch einmal an die treue Brust zudrücken, uoch eiumal von Augesicht zu Augesicht zu schauen.Nur sterbend konnte sie ihn segnen, während er selbst imfernen Orient krank darniederlag.

Wie oft und sehnlich gedenken die besten seiner Liederdieser entfernten süßeu Mutter! Als zarter Knabe verlies;er das elterliche Haus uud kam zu Verwandten nach demStädtchen Juugbuuzlau, um daselbst das Gymnasium zubesuchen. Hier schon öffnete sich der Sinn für Dichtungund Historie; uur die exakten Wissenschaften wollten demjungen Kopf nicht behagen.Hartmann Moritz, vonMathematik keinen Begriff", sagte ärgerlich beim Exameuder alte Pater, welcher der scholastisch geleiteten Anstaltvorstand. Dies Wort liebte der Gereifte im heiterenFreundeskreise niit Selbstironie zu zitieren. Von Juug-bunzlau zog er uach Wien und, stolz wie er war, mochteer kaum den väterlichen Zuschuß in Anspruch uehmen zuseiuer ferneren Ausbilduug. Um lernen zu können, lehrteer, uud auch uicht selten hungerte er. Wie mauchmal,wenn er mit uns in ach so vielen guten Stuuden!zusammen war, hielt er uns vor, wie nns anderen dasLeben und Lernen leicht geworden, im Vergleiche zu ihm;wie er so manche Nacht hungrig sich zn Bette gelegt odernur mit einer trockenen Brotkruste die Begehruug desachtzehnjährigen Magens zur Ruhe gebracht. Diese Kunstim Entsagen, diese Selbstbeschränkung hat ihn im Lebeunie verlassen, hat ihm Dienste vom tiefsten moralischenWert geleistet. Denn er war eifersüchtig bis zum Pein-lichen aus seine Unabhängigkeit; uud ein Liebling derMenschen, wie wenige, hat er von der Gunst der Freundeund Bewunderer nur den kärgsten Gebrauch gemacht, auchdauu mit Widerstreben. Seine Haltuug ging ihm überalles. Darum war er stets daraus aus, hauszuhalten.