nimer wieder von neuem werden wir gemahnt, wieschwer es doch ist, unter die Oberfläche geschichtlicher Zu-sammenhänge zu dringen, wie unsicher alles erscheinen muß,was nur über längst vergangene Dinge zn wissen glauben,da schon ein ernster Versuch, nur denjenigen auf den Grundzu geheu, die sich vor unseren Augen abspielen, auf soviele Hindernisse stößt.
Jetzt ist ein Mann gestorben, aus den, solange er ander Spitze der europäischen Politik stand, d, h. währendeinundzwanzig Jähren, aller Augen gerichtet waren.Hunderte von Federn waren Tag für Tag geschäftig, überihn zn berichten; auch das Geringfügigste in seinem Thunund Lassen, das einer auskuudschafteu und mitteilen konnte,war kostbare Beute. Dabei lebte der Gegenstand dieserNeugierde im geheimnißlosesten Lande der Welt, wo allealles wisseu, uud jeder jedem erzählt, was er weiß; einLand der Beobachter, Memoirenschreiber nnd angenehmenPlauderer.
Nnd dennoch, auf die Frage, ob jemand bis heute inüberzengender und erschöpfender Weise über das innereLeben, den Charakter, die Geistesanlagen dieses MannesAufschluß gegeben habe, muß die Antwort verneinendlauten. Aus demselben Grnnde steht bis heute nicht fest,
welchen persönlichen Anteil der Held des kaiserlichen
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