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2 (1894) Charakteristiken
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^m Mai 18K!i> müssen die Aussichten sehr blühend ge-wesen sein. Ich finde in meinen Notizen die authentischeMitteilung verzeichnet, daß große Personnagen vom Hofsystematisch ungeheure Verkäufe au der Börse machen ließenund Auftrag gaben, sie mit den stärksten Opfern offen zuhalten, weil diesmal der bewußte Krieg unfehlbar kommenmüsse. Endlich kam er. Noch jüngst sagte ein deutscherParlamentsredner, dieser Krieg sei seit zwanzig Jahren dasZiel gewesen, auf das Napolcou losging. Mit bessermRecht könnte man sagen: zwanzig Jahre lang hat sichLouis Napoleon gegen die Versuchung dieses Krieges ge-wehrt, den ihm das Land in die Wiege gelegt hattc, undden ihn seine Umgebung unablässig in die Ohren schrie.Krankheiten, wie die, welcher er unterlag, brechen diemoralische Kraft des Menschen. Er hatte seinen eigenenWillen verloren, als er sich in diesen Krieg begab, und erließ sich vom Thron gleiten in demselben träumerischenFatalismus, mit dem er ihn erstrebt und behauptet hatte.Nach abermals zwanzig Jahren, während deren Aumale oderGambetta ihre Negierurigsmoral uud Regierungskunst anFrankreich werden erprobt haben, wird die Zeit gekommensein, die Rechnung Napoleons III. endgiltig abzuschließen.So viel man vernehmen konnte, haben die bedeutendenStaatsmänuer, welche ihn am Werk gesehm, Bismarck uudCavour inbegriffen, niemals so verächtlich über ihn ab-geurteilt, wie die grimmen Scharfrichter, die jetzt auf ihrenNekrologen feinen Leichnam zum Galgen schleifen.