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heit des Wesens, jener tiefe Ernst, der jedes Wort undjede Handlung znm Ausdruck desseu machte, ivas iu derSeele des Mannes lebte, das war es, was ihm Gewaltüber die andern gab: denn dafür hat das Ohr und dasAuge des öffentlichen Lebens einen gar feinen Sinn; esläßt sich bestimmen von Manchen, denen Geistesgaben,denen Klugheit uud Gewandtheit behülflich sind, nnd dievielleicht im Innern, verzeihlicher- und begreiflicherweise,nicht immer frei sind von jenen Anwandlungen der Selbst-ironie, die an den Dingen, und gerade an denen des öffent-lichen Lebens, auch die audere, die Schattenseite sehen; —aber so war er nicht, er ging ganz auf in dem, was erwollte uud was er sagte, hier gab es keiue Ziveiheit, keineudoppelten Gedanken, alles war eins und identisch in ihm,uud das war die wahre Kraft, durch die er die Menningenund die Sinne seiner Mitbürger bezwang, das Vertrauenderselben gewann, welches man nicht erschleicht zehn Jahrelang, welches man nicht durch Berückuug sich erwirbt,sondern dadurch, daß man die volle Einsicht und die volleErnsthaftigkeit hat für des Volkes Wirken und Streben.
Noch Eines lassen Sie mich aussprechen, denn ich habemir bei der Schwierigkeit der Aufgabe, die mir die Freundeheute auferlegten, gesagt: ich will bei dem Bilde, das ichzu zeichnen unternehme, auch nicht der Gefahr erliegen,daß ich etwas der Wirkung oder der Stimmung zu Liebeverschönere; er hat der guten uud der schönen Seiten, derherrlichen Eigenschaften so viele geboten, daß ihm Un-recht gethan wäre, wenn man eine Kritik herausfordernwollte dadurch, daß man sich von der strengen Wahrheitentfernte. Wir wollen ihn ganz vor uns sehen, auch mitdeni, was hier oder da sich weuiger gläuzend ausnehmenkönnte. Doch, waS ich jetzt von ihm schildern will, was