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Rechtssinn; was ihn dabei anstachelte, war gerade, daßer die Macht des Staates, die Macht hoher Gebnrt, dieMacht besvnderer Stellung im Lande dazu verwertet sah,auf unredliche Weise die Rechte des Staats auszubeuten-ür Privatzwecke. Das waffnete ihn damals zu jenerdenkwürdigen Attacke gegen das Eisenbahn-Konzessions-wesen im Abgeordnetenhause des preußischen Staates.Gewiß, bewuuderuswert war der Mut, mit dem er deneinflußreichsten Leuten des Landes entgegentrat; er wnßtewohl, daß er es nicht mit ungefährlichen Gegnern zuthnn hatte, er wußte wohl, wohin er traf; aber den un-ciichrockcnen Mann beirrte nichts in seinem Unterfangen,nichts in der Ueberzengung, daß er dem Rechte zumSiege verhelfen müsse iu der Verwirrung der öffentlichenAngelegenheiten.
Das war die gewiß auch heilsame Thätigkeit, die ihmdamals so ungeheuere Popularität eintrug. Aber er be-rücksichtigte dabei uicht, daß das Uebel, das er sah, durch-aus nicht den Charakter des allgemeinen Erwerbslebenswiedergab, daß die große Masse des Volks, des großenund kleinen Erwerbslebens sich bewegt nur auf Psadeneines Ungeheuern Vertrauens, einer großen Sicherheit, einerRedlichkeit, die zwischen Mein und Dein tausend- undhunderttausendmal am Tage den einzelnen auf dieProbe stellt und ihn beinahe immer bewährt findet. Beider Glut der Anfeuerung, die er damals mit seinenSchilderungen verband, geschah es, daß er emen Anhangnach sich zog, der nicht von Lasters Begeisterung, abervon Haß und andern Motiven bewegt, ihn zum Schildnahm, um unlautere Zwecke zu erreichen. Wein: ich hierinetwas von einem Mißgriff erblicke, so gehe ich vielleichtnach der Vorstellung vieler meiner Zuhörer zu weit; ichthue es, weil ich, wie gesagt, mich bemühen will, allen Ge-