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mehr vor der ganzen Welt dadurch herabgesetzt werde;auch übersah er uicht, daß das, ums künstliche Aufachungzu jener traurigen Bemeguug gethcm hat, wohl mit derAbsicht zusammenhing, ihm selbst Hindernisse im öffentlichenLeben zn bereiten. Das Bitterste davon hat er wohlschwerlich empfunden, denn seine Seele war so edel geartet,daß er für das Element von Gemeinheit, das in dieserBewegung liegt, nicht die ganze Empfindung hatte. Erstand so hoch, daß er das Niedrigste in dieser Bewegung,die nicht selten ja auch einen vornehmen Mantel umhängt,gar uicht empfaud. Man sagt, er sei am gebrochenenHerzen gestorben. Meine verehrten Herren, Männer, dieso für die Gesmnmtheit mit Hingebung arbeiten, sterben nichtan gebrochenen! Herzen; sie haben einen Vorrat von Glanbenin Brust und Herzen, der nicht auszurotten ist durch vorüber-gehende Erscheinungen. Er halte ein Herz, viel zu tapfer,um durch eine kurze Periode der Ungunst sich anfechtenund abschrecken zu lassen, ein Herz, kühn und tapfer undfest bis zum letzten Augenblick. Wenn Sie wissen wollen,woran er gestorben ist, sofern wir Menschen davon über-haupt Rechenschaft gebeu können, so sage ich, er ist anUeberarbeitung gestorben. Er hat das Wort „Schonung"nicht gekannt; die Pflichterfüllung war bei ihm im bestenSinne des Wortes des großen deutschen Philosophen, derunsere Sprache mit dem hehreu Begriff des kategorischenImperativs bereichert hat, das unwiderstehliche Gebot. Erwar so ganz identifiziert und verkörpert nnt der Pflicht-erfüllung, daß er in anderen die Nachlässigkeit nicht begriff.Hatte jemand bei einer wichtigen Sitznng gefehlt, er glaubtemit kindlicher Einfalt die fadenscheinigste Ausrede, weiles ihm nicht in den Sinn kam, daß ein anderer leicht inseiner Pflicht fehlen könne. So hat er sich ausgearbeitet,zuletzt gerade, indem er der Regierung des Deutscheu