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2 (1894) Charakteristiken
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und von dem ich nur einen kleinen Teil anführen konnteim engen Raum einer solchen Abendstunde: Wenn einsolches reiches, hingebendes Wesen mit der ganzen Fülleseines Inhalts von uns scheidet, so ergreift uns ver-nichtend der Gedanke der Vergänglichkeit. Was ist ausallem dem geworden, was in Laskers Kopf, was in seinemHerzen vereinigt war? Es ist heute nicht mehr, es istbewußtlos, es ist zerstört. Doch nein! das ist es nicht!Der wahre, einzige, befriedigende und klärende Sinn desLebens, er liegt nur darin, daß das Leben des Individuums,und gerade der höchsten Individuen, ein sinn-, ein wesen-loses und unbegreifliches wäre, wenn wir nicht lebten iminnigen Zusammenhange mit allen Zeiten. Das ist derSinn des einzelnen Lebens, und so paßt aus unfern dahin-geschiedenen Freund herrlich, was unser großer Schillernannte Unsterblichkeit:

Vor dem Tode erschrickst du? Du wünschst unsterblich zu leben?Leb' im Ganzen! wenn du lange dahin bist, es bleibt.