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den Plan einer gemeinschaftlichen Zukunft, die, wie es sichdamals von selbst verstand, auf amerikanischem Bodenwachsen sollte. Uns zwei jungen, noch wenig im Lebengeschulten Juristen gesellte sich ein alter Praktikus zu,gleichfalls eiu Flüchtling, mein biederer Landsmann Zitz,ehemals der renommierteste Advokat von Mainz , der imJahre 1848, wie Franz Ravaux uud später nochmancher andre Rheinländer, aus dem Präsidiuni derKarnevalsgesellschasten in die politische Rolle hinein-geraten war. Wir drei wollten gemeinsam eine ju-ristische Agentur in New-Ivrk errichten. Aber es solltedoch anders kommen; ich blieb unterwegs in London hängenund an meine Stelle trat Julius Fröbel . So wurde danndie Firma „Zitz, Fröbel und Kapp" in New-Ä)ork errichtet.Zitz oder „der Alte," wie er bei Kapp stets hieß, war einliebenswürdiges Original. Das Mißgeschick, aus einerglänzenden Stellung uud einem opulenten Leben in einentbehruugsvolles Exil versetzt zu sein, ertrug er wie einStoiker; eine zunehmende Harthörigkeit fügte es von selbst,daß ihm die schriftlichen Arbeiten zufielen, während Kappdie mündliche Vertretung bei den Gerichten uud den welt-lichen Verkehr übernahm. Fröbel schied bald aus; ihn,den Doktrinär der praktischen Austelligteit, trieb es zuimmer neuen Experimenten; vorher hatte er es schon mitder Seifensiederei probiert; nun wurde er Karawanenführerzwischen Texas uud Mexiko . Heutigeu Tages sitzt er nachzahllosen Wanderuugeu uud Wandelungen als wohlbestallterKonsul des Deutschen Reiches iu Algier ; mit seinen achtzigJahren noch immer eine schöne elegante Erscheinung. Sowenigstens sah ich ihn vor zwei Jahren bei einer zufälligeilBegegnung auf dem Thnner See. Die Firma „Zitz u. Kapp"gelangte uuter der rüstigen Arbeit der beiden fleißigen ge-wandten Männer ;u raschem Gedeihen uud die Braut vom
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