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Trachtens ein, aus welcher 1848 erstehen und 1870 sich'aufbauen sollte. Und zum Zeichen, daß die Zeiten sicherfüllt hatten, sanden wir drei nns im Reichstage desJahres 1877 wieder zusammen. Aber was lag alleszwischen jenen Anfängen nnd diesem Abschluß, welche ge-schichtlichen Vorgänge und welche persönlichen Schicksale!
Bald nach Ausbruch der achtnudvierziger Bewegungtraf ich mit Kapp in Frankfurt zusammen. Im September-aufstand kompromittiert, mußte er ius Ausland flüchten,wandte sich nach Paris, wo er mit Alexander Herzen be-kannt ward, der ihm die Erziehung seines Sohnes an-vertraute und ihn zur Bearbeitung der deutschen Aus-gaben seiner Schriften heranzog. In dieser Stellung fandich ihn im August 1849 in Genf wieder, als auch michder Strom der Emigration dahin geführt hatte. Bei demleichtlebigen, radikalen, von deutscher Philosophie durch-tränkten russischen Aristokraten hatte der jugendliche, ge-wandte und anmutvolle deutsche Flüchtling ein gntesLeben. Es ward ihm besonders auferlegt, seinen Zöglingvon allen Glaubenslehren frei zu halten, und der Prä-zeptor ließ sich das nicht zweimal sagen, hat es auch späterim eigenen Hause so gehalten und in seinen letzten Ver-fügungen bewährt. Es war leine uninteressante Gesell-schaft, in der wir uns damals bewegten. Georg Herwegh ,Moritz Hartmann, James Fazy gehörten zum täglichenUmgang Herzens, dessen Konversation und Humor uieversiegten. Kapp bearbeitete zu jener Zeit die deutscheAusgabe von Herzens „Vom andren Ufer".
Auf die Daner jedoch konnte diese Stellung ihm nichtgenügen. Er hatte noch besondere Gründe, sich eine feste,unabhängige Stellung zu suchen. Nach alter Studenten-sitte hatte er sich zu Hause im Vaterlande still verlobt.Auch darin-trafen wir zusammen, und so schmiedeten wir