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2 (1894) Charakteristiken
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mutig war dieser Humor; keiuer der Schwindler oderBärenhäuter, die er so in Lebensgröße vorführte, welcheruicht Beweise dieser Gutmütigkeit davongetragen hätte.

Kapp war nicht zum Sachwalter für Tagesgeschäfte,soudern zum Historiker geschaffen. Seine Heimat war inden Archiven, die für ihn zeitlebens eine unwiderstehlicheAnziehungskraft besaßen. Er war einer der besten Bücher-kenner im Reichstag, vielleicht nur vom obersten der Bi-bliophilen , Franz von Stauffenberg, darin übertroffen.Die Reichstagsbibliothek verliert in ihm eine unersetzlicheStütze. So hat er auch vor etlichen Jahreu zum Abschlußseiner wissenschaftlichen Thätigkeit die Aufgabe übernommen,für den Verein der deutschen Buchhändler die Geschichtedes deutschen Buchhandels zu schreiben, ein Riesenwerk,das aus eine Reihe von Bänden berechnet, bereits zu einemansehnlichen Teil im Manuskript vorbereitet sein muß. Dererste Band dürfte wohl nahezu druckfertig sein. Seit Jahrendurchstrich er Deutschland, Oesterreich und die Schweiz , zu-letzt noch Belgien , um die Archive nach allen Spurendieser Quintessenz moderner Kultnrentwicklung zu durch-stöbern. In gleicher Weise hatte er vormals die altenBauernhöfe der deutschen Eingewanderten nach Familien-bibeln und sonstigen Memorabilien durchforscht. Wie glück-lich machte ihn jeder Fund; welche Schätze mag er ge-sammelt haben, wer wird es vollenden, aber wie vielesist unwiederbringlich verloren, was in diesen: mächtigenKopfe eingeheimst war!

So lange er in Amerika lebte, bearbeitete er dasFeld, auf dem er stand, aber auch da immer vorwiegendden Blick auf Deutschland und auf den Kampf der Huma-nität gegen die Barbarei gerichtet. Seine Geschichte desSoldateuhandels deutscher Fürsten , seine Biographiender Generäle v. Kalb und v. Steuben, die Geschichte der