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gehäuften Anstrengungen gezeitigt worden. Er trug seinLeiden heiter und philosophisch, murrte nur gegen die Ab-haltung von der Arbeit, die er aber nicht völlig aufgab,bis ihn in? letzten Sommer die letzten Kräfte verließen. Augustund September brachte er noch in Schlangenbad und Baden-Baden zu. Als es zu Ende ging, ergriff ihn die Sehnsuchtnach seiner Häuslichkeit am Arno. „Dort wird's mir besserwerden", sagte erzumir, „wenn ich nicht unterwegs sterbe". Essollte beinahe wahr werden. Ein Erdrutsch auf derGotthardbahn zwang die Reisenden zum Aussteigen, undder Tottranke mußte nni sechs in der Frühe eine StreckeWegs über Schutt uud Felsgeröll klettern. In Florenz angekommen, schien er einen Moment sich besser zu be-finden. Es war das letzte Aufleuchten der schwachenLcbensflamme, die dann sanft erlosch. Die Italiener inihrer guteu Art erwiesen ihm. wie wahrend seines Lebensviel Schönes und Liebes, so nach dem Tode viel Ehren-volles. Deutschland kennt ihn noch nicht genug. SeiueWerke verdienen einen Hervonagenden Platz in dem littera-rischen Besitzstand des überlebenden Geschlechts. Mandarf ihn, vou seinen andern Leistungen absehend, getrostden ersten der deutschen Essanisteu nennen. Die schon vonder Krankheit beschatteten Züge des edlen Antlitzes, inwelchen der Adel seines ganzen Wesens sich spiegelte, hatdie Meisterhand Adolf Hildebrands in Florenz , der ihmdurch euge Freundschaft -verbunden war, in einer trefflichgelungenen Büfte verewigt.