Ms giebt zweierlei Maßstab für die Beurteilung einesMenschen und seines Thuns. Man kann ihn messen ent-weder nach seinem eigenen Vorsatz oder nach seiner Leistungvom Standpunkt des allgemeinen Nutzens. Die dritteFrage, ob im einzelnen Fall jener Vorsatz auf diesen Nutzengerichtet sei, muß bis zum Beweise des Gegenteils zuGunsten des Urhebers entschieden werden.
Um ein gerechtes Urteil zu fällen, emvfielt es sichimmer, mit Anlegung jenes ersten Maßstabes zu beginnen.Uud gerade wo uns das Thun eines Menschen als einvorzugsweise ungerechtes erscheinen will, regt sich um solebhafter, kraft einer Art von Gegenwirkung die Lust, ihnmit Gerechtigkeit zu behandeln, d. h. ihn vor jeder weiterenUntersuchung nach seinem eigenen Wollen zu beurteilen.
Wer erreicht, was er sich vorgesetzt hatte, giebt einenBeweis von Kraft, die uns Anerkennung aufdrängt. Inden niederen uud mittleren Schichten des menschlichen Lebensschiebt sich die Frage dazwischen, ob das Gewollte mit so-genannten erlaubten Mitteln erreicht worden ist oder nicht.In den höheren und höchsten Regionen verschwindet be-kanntlich auch diese Unterscheidung mehr oder wenigerhinter der Thatsache des Erfolges.
Heinrich von Treitschte kann sich rühmen, daß es ihmgelungen ist, einen starken Einsluß auf die Entwicklung desdeutschen Geisteslebens unserer Tage zu gewinnen. Er hatnicht nur der seit eiuem Vierteljahrhuudert herangewachsenen