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er den Schatz der deutschen Sprache bereichert und Formender Dichtung eingebürgert, die weiter wirken bis auf diesenTag. Nichts ist darin ans fremdländischen Elementen ent-nommen. Und nichts ist komischer als wenn Treitschke sagt, daß den Juden das deutsche Sprachgefühl abgehe.Das kommt ungefähr aus die Geschichte jener HamburgerDame hinaus, die, als die Schauspielerin Rachel in RaeinesBritanniens auftrat, klug bemerkte! „Man hört aus ihremFranzösisch doch die Jüdin heraus, denn sie sagt Kapitolstatt Kapital." Es gehört zu Treitschkes kleinen Künsten,daß er solche Gickchen und Gackchen austüftelt, die er alstiefe und feststehende Bemerkungen wie etwas Selbstver-ständliches einfließen läßt. So soll man an dem jungenschönen Herzog von Orleans, als er am Berliner Hofeerschien, die ganze Erscheinung bewundert, aber alsbaldden falschen Zug der Familie Orleans erkannt haben.Von dieser allgemeinen physionomischen Thatsache als einernotorischen hört man in diesem Geschichtswerke znm erstenMale. In hundert ähnlichen Kunststückchen, ans Zufällenherausgegriffenen Zitaten, wiederholt sich dies Spiel. Ichhabe vor langen Jahren bei Besprechung seines Bona-partismus einmal erzählt, welche komische Geschichte ihmmit dem ernstgenommenen Straßenwitzwort' 8i?s>ris g-vait,'.ms (üs.uusbisrs <zs 8ers,it un xstit Ns,r8ei11s, passiert ist.
Ist es nicht auch hohe Komik, wenn Heine den Vorwurfhören muß: er, der Orientale, hätte nicht einmal ein deutschesTrinklied zu Stande gebracht? Zwar wird auch zur Ab-wechslung den süddeutschen Liberalen ihre Kneipseligkeitvorgeworfen, aber das steht auf einem anderen Blatt.Nun findet sich weder in Lenaus noch in Mörikes noch inUHIands Gedichten — um nur diese drei zu nennen —ein Trinklied. Das einzige Gedicht, welches in UHIands