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Sammlung diese Ueberschrift trägt, atmet nichts wenigerals Kneiplust.
Aber wer kennt nicht Heines prächtiges Gedicht:
„Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat
Und hinter sich ließ das Meer und die Stürme
Und jetzo warm und ruhig sitzt
Im guten Ratskeller zu Bremen .
Wie doch die Welt so traulich und lieblich
Im Römcrglasc sich widerspiegelt" u. s. w.
Und wo steht denn geschrieben, daß den Orientalender Wein fremd ist? Die Legende des Noah und desLoth scheint doch aus dem Orient zu stammen; das alteTestament trieft förmlich von Zitaten des Weins, von seinerPflege und seiner Verherrlichung; Boas trinkt sich einenRansch, David und Salonron halten sich gute Lager, undder Sänger des hohen Liedes wird von seinem Freundin den Keller geführt.' „esset und trinket meine Freundeund werdet trunken". Endlich, wer hat ausgelassenereTrinklieder gedichtet als Hafis . Zwar ein Arier, nach dergelehrten Unterscheidung, zu welcher die Verfolgungssuchtihre Zuflucht nimmt, aber ein Occidentale doch gewiß nicht.
Heine hat sich wie über Juden und Christen so überFranzosen nnd Deutsche mit gleicher Schonungslosigkeitlustig gemacht. Folgt man ihm aber aufmerksam, so ergiebtsich, daß er an dem Französischen mehr das Glänzendeund Anmutige, an dem Deutscheu mehr das Ernste undTiefe bewundert. Er hat auch die Libertinage des PariserLebens gepriesen, wie ein deutsches Weltkind, dem sieimponiert. Wie viel gute Deutsche hat Paris vor uud nachihm nicht ebenso und mehr entzückt! Man lese die Briefeaus alter und neuer Zeit, die Briefe Gutzkows undDingelstedts aus den vierziger Jahren. Und was ist nochüber die letzte Ausstellung geschrieben worden!