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2 (1894) Charakteristiken
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reichste aller schwäbischen Eigenbrötler, dessen Schwärmereifür Tabaksmonopol und Schutzzoll Bismarck zur Losunginachen sollte, als er den einst Unversöhnlichen längst ausden Augen verloren hatte. Wie heimelte es mich in diejungen Jahre zurück, als ich zum ersten Mal im Berliner Reichstag den wunderlichen Herrn mit derselben unwahr-scheinlichen himmelhochragenden strohgelben Pcrrücke wiederauftauchen sah, die schon im Frankfurter Parlament derPanlskirche mich einst durch ihren Anblick ergötzt hatte.

Bennigsen und Miquel sind wohl noch da, aber dereine ein seltener Gast ini Reichstag, hier und da aus an-deren Regionen herabsteigend, in welche der andere schließlichganz entrückt ward. Damals waren beide eng verbundenmit Lasker, der, grundverschieden in den Anfängen, wie eres im endlichen Abschluß seines Geschickes werden sollte,gemeinsam mit ihnen an der Gesetzgebung des neuen Reichsbante, in einem Geiste, der dem Fürsten Bismarck vorerstim Stillen tief innerlich widerstrebte, um endlich, als eres vermochte, mit Feuer und Schwert von ihni ausgetriebenzu werden. Zum Opfer fiel Lasker allein, eines derschreiendsten Exempel wetterwendischer Guust nicht sowohlder Massen als der Gebildeten in Deutschland . In jenenJahren von 1871 bis 1878 war keine Arbeit im Reichstagohne den kleinen Mann verrichtbar. Man konnte seinernoch weniger entbehren, als in der späteren Periode deskleinen Windhorst. (Auch der kleine Thiers war ein Par-lamentsallmächtiger!) Nicht nur für seinePartei, dieNational-liberalen, war Lasker der allgegenwärtige und unentbehr-liche, sondern für die ganze Maschinerie. Der erste undder letzte auf dem Platze, der stets fertige für jeden Zwischen-fall der Geschäftsordnung und Fragestellung, Komplikationen,die in jenen bewegten und gespannten Arbeitszeiten un-gleich viel häufiger eintraten, als heute. Bei jeder nnvor-