bereiteten Wendung der Debatte erwartete alles vorab,daß Lasker sich zum Wort meldete, um die Meinungen inFluß zn bringen; und niit allen Registern je nach demBedürfnis der Gelegenheit war er zur Stelle, von derleichten Satire bis zum höchsten Brustton der manchmaletwas übergroßen sittlichen Entrüstung, die dem Kanzlerso sehr auf die Nerven schlug. Sollte doch Pathos sein,so war diesem viel lieber das breitspurige, aber schmieg-same des biederen Völk, des ungekämmtesten aller blon-den Kolossalköpfe aus Bavarias bierdurchströmten Ge-filden, der mit des Allgaus volkstümlichen Kehllautennnd mit hoch über die Handgelenke herausgeschürztenRockärmeln männermordend in die Reihen des Zentrumshin einraste.
Wie anders perlte die heitere Weinlauue auf KarlBrauns Lippen in wohlgerundeten Perioden und Klängen!Anch er mit einem Charakterkopf wie Völk, auf breitemkräftigem Stiernacken, aber von dunklem Lockenhaar ein-gerahmt, und von Geist und Kenntnissen überquellend. Nichtviele Männer von solcher Begabung hat der Reichstag in den zwanzig Jahren seines Bestehens auf seiuenBänken beherbergt; und wenn „unser Braun", wie er stolzgenannt wurde, früh uud nicht ini Vollbesitz einstigerHerrlichkeit ans Ende seiner parlamentarischen Laufbahngelangt ist, so lag das vielleicht am meisten daran, daßMutter Natur ihm allzu verschwenderisch eine Fülle vonGaben auf den Weg gegeben hatte, die ihm alles so leichtmachte, ihn verführte, die Grenze zwischen dem Ernst derArbeit und dem Spiel der üppigen Laune zu verkennen;— ein eigentümliches Phänomen, das ich im Laufe derZeiten hier und da an ähnlich überglücklich ausgestattetenKindern des deutschen Südwestens beobachtet habe. Esgab eine Zeit, wo Karl Braun die Gunst des Fürsten