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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
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Bismarck in hohem Maße genoß, und er hätte sich dieselbeohne Zweifel erhalten können, wollte er sich, wie mancherandere, der ans hohem ethisch pathetischem Roß daher trabte,den Wandlungen der Kanzlerpolitik anschmiegen. Aberdem leichtlebigen Manne war es tiefer Ernst mit den wirt-schaftlichen Anschauungen, die er einst im Bunde mit einemPrince-Smith, Faucher und Michaelis ruhmreich in Deutsch-land verbreitetet hatte, und er zauderte nicht eiuen Augen-blick, mit dem mächtigen Staatsmann, dem er ein enthu-siastischer Bewunderer gewesen, zu brechen, als jener dazuüberging, den Hebel der persönlichen Interessen der Menschenzum Werkzeug seiner Politik zu machen.

Dieselbe Krastgestalt mit starkem Kopf auf breitemNacken und mächtigen Schultern, und bedeutsamer Weise,ebenfalls mit einem Anflug bäuerlichen Erdgeruchs wie derallemannische Volk und der rheinfränkische Braun, erhob sichin dem Führer der Fortschrittspartei, dem Freiherrnvon Hoverbeck, dem vollendeten Typus jenes heute bis aufwenige ausgestorbeneu ostpreußischen Adels von echtemSchrot und Korn, der den Stolz der Freiheit als dieschönste Zierde vornehmer Geburt über alles hochhält. Aussolchem Stoffe waren auch die beiden Herren von Saucken.Spröde, schrosf und unerbittlich war der Widerstand, dendie Rede Hoverbecks dem Kanzler entgegensetzte. Er per-sonifizierte das Mißtrauen in die Dauerhaftigkeit der Sen-dung Bismarcks, als wollte er vor Verjährung wahren ineiner Zeit, da ihm die Thatsachen noch nicht Recht gaben.Es war alles Unbeugsamkeit und UnVersöhnlichkeit bis insKleinste, eine Härte und eine Schärfe, die in Inhalt undForm wie im Klang der Rede prägnant zum Ausdruckkamen. Unvergeßlich ist mir, wie ich in der ersten Sessiondes Reichstages, im Jahre 1871, wegen einer Gering-fügigkeit den Zorn des wackeren Mannes auf mich lenkte-