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2 (1894) Charakteristiken
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gcn Tag näher zu bringen. Wer an sich selbst erprobt hat,wie rasch das in die Zeit und ihre Kämpfe hineingeworfeneProdukt vergilbt und verwittert, wird nachfühlen, daß eskaum ein höheres Lob für solche Leistungen geben kann.Dieser seltene Vorzug hängt eng mit dem ganzen Ingeniumdes Autors zusammen. Er schöpft nur aus seiner eigenenGedankenarbeit, entleiht nichts als den Stoff, aber diesenin reicher Fülle nnd Mannigfaltigkeit, der umgebenden Weltund ihrer Bewegung.

Was diesen Geist am eigentümlichsten charakterisirte,war eben die Intensität seines Denkens. Er dachte mitLeidenschaft und mit Enthusiasmus. Ich habe nie einenanderen Menschen gekannt, der durch Ideen in solchesVibriren seines ganzen Wesens versetzt wurde, und da ereine der besten Eigenschaften hatte, die ein Schreibenderhaben kann, nämlich daß Sein und Schreiben ganz zu-sammensiel, daß es mit dem Kleinsten, was er gab,ihm bittrer Ernst war, so zogen alle seine Arbeiten aus dieserKonzentration des ganzen Menschen eine stark gesättigteSubstanz, die auch kurzen Abhandinngen einen über dasVerhältnis ihres Umfangs hinausragenden Inhalt sicherte.In diesem einen Bande sind belehrende Thatsachen, Re-flexionen und vor allem anregende Ideen enthalten, die füreine Reihe von Bänden genügt hätten. Und die Fülle desInhalts ist in die vollendete Form der Anmut gebracht.Homberger, dem Enthusiasten des Nachdenkens, war gleich-wohl auch die Kunst des Stils etwas Heiliges. Was inder innigsten Erregtheit der Reflexion der Geist ihn? eingab,wurde nachträglich bei dem Herausarbeiten der letzten Ge-staltung minutiöser, ausdauernder, stilistischer Sorgfaltunterworfen. Dieser doppelten Anstrengung, nicht bloß deneigentümlichen Gesundheitszuständen, deren GildemeistersVorwort erwähnt, ist es meines Erachtens zum Teil weuig-