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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
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lebhaften und höher berechtigten Drang. In seinem BandItalienische Novellen (1830 in derselben Verlagshandlungwie diese Essays erschienen) legte er die Probe davon ab.Aber auch die Feinheit und Wärme seiner analysierendenStudien, seine in der Darstellung hervortretende Freudeau bezeichnenden Thatsachen ist poetischer Abstammung.Den Uebergang von der synthetischen zur analytischenGeistesarbeit vermittelte in ihm der Grundzug des psycho-logischen Interesses. Die Beobachtung des allgemeinMenschlichen und des besonders Persönlichen war dieQuelle, aus der er genießend und produzierend schöpfte.Hier konnte ihn das Kleinste in Entzücken versetzen. Ertonnte über eine bezeichnende Anekdote lachen bis an dieGrenze des Erstickens, über ein falsches litterarisches Ur-teil oder eine ungerechte Handlung in eine wahre Ekstasedes Zorns geraten. Indem nun dieses starke Empfindenzusammentraf mit feinfühligem und geläutertem ästhetischemSinn, alles unterhalten und stets neu genährt durch emsigeFortbildung in den historischen, litterarischcn, sprachlichen,ethnologischen Studien, in der praktischen Berührung mitden Zuständen der großen Kulturländer und ihrer Ge-sellschaft, im Verkehr mit bedeutenden Männern, namentlichDeutschen nnd Italienern, schoß ein Kern qnintesscnziellerArt zusammen. Keiner der vorliegenden Beiträge giebtdavon ein sprechenderes Zeugnis als der Nekrolog aufKarl Hillebraud, der seiner Zeit in derNation" erschienund in diesem Band abgedruckt ist. Der Gegenstand warauch wie geschaffen, die Quelle einmal breiter fließen zulassen. Hillebrand, mit dem Homberger in Florenz langezusammengelebt und sich in enger Freundschaft vcrbuudeuhatte, war, trotz eines sehr verschiedenen geistigen Naturells,doch darin ihm verwandt, daß er aus dem Grund ernsterdeutscher Vorbildung den Ausblick in die Welt durch