— 234
Assimilation mit fremder und namentlich mit romanischerKulturform erweitert hatte. Beide begegneten sich auchdarin, daß ihr höchstes Juteresse immer, auch in der Fremde,auf die deutsche Heimat gerichtet blieb und sie die deutscheuGeschicke während der Epoche des großen Umschwungs,dank ihrer intimen Bekanntschast mit Italien , im Wider-spiel der dortigen Evolutionen und in vergleichender Be-obachtung der unterlaufeudeu Wechselwirkungen verfolgten.An der Fehde, die sich später über das Verhalten derbeiderseitigen Diplomatie im Jahre 1866 entspann, hatHombcrger einen lebhaften nnd aktiven Teil genommenund namentlich in einigen Abhandlungen (unter anderenauch iu den „Preußischen Jahrbüchern ") Beiträge zurKritik über daS Verhalten La Marmoras geliefert, welchesdieser iu seiner berühmten Schrift IIn po' piü cii wos nichtohne Erfolg verteidigt hat. Doch von diesen politischenArbeiten ist in die vorliegende Sammlung nichts aufge-nommen worden. Dagegen bieten die vier ersten Essaysüber Manzoni und Azeglio eine Fundgrube von Be-lehrung über den inneren Znsammenhang der litterarischennnd politischen Bewegung des modernen Italiens . Derdeutsche Leser, welcher Manzoni nur aus den „Verlobten"und etwa noch aus Goethes nicht besonders gelungenerUebersetzung des Oiuc^ns UnAZio kennt, steigt hier au derHand des kundigen Führers in die Gründe hinab, auswelchen der Klassiker der modernen Litteratur jenseits derAlpen emporgestiegen ist. Nicht minder interessant ist dieAbhandlung über Massimo d'Azcglios Denkwürdigkeitenund Briefe, des Vorgängers Cavours, des Malers,Dichters, Soldaten und Staatsmannes, welcher ähnlichund doch in ganz anderer Weise wie einst Alfieri dieeigenthnmliche Mischung aristokratischer und menschlichfreier, konservativer nnd politisch empfänglicher Denkart