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der vornehmen Persönlichkeiten des Italiens aus derWende des Jahrhunderts verstehen lehrt.
Der Anteil der litterarischen und ästhetischen Problemeist der beträchtlichste in unserer Sammlung. Deutsche,französische, englische Romane und Dramen bilden hiergleichmäßig die Unterlagen, doch anch die philosophischenund linguistischen finden ihren Platz. Lessing, Schopen-hauer , Noirs, Renan kommen zu ihrem Rechte, danebenwird die herrschende Zeitrichtung, der Streit zwischenRealismus und Idealismus, mit der Feinheit des Ver-ständnisses untersucht, die aus der innersten Teilnahme ander Sache selbst entspringt. Homberger hatte unter denModernen einige Lieblinge, denen er besonders gerne nach-ging, den Amerikaner Howells, den Franzosen Flanbert,und unter den Deutschen namentlich Louise v. Franvois,deren sünfaktiges Lustspiel „Der Posten der Frau" ihn alsLösnng einer dramatischen Aufgabe über die Maßen inter-essirte und zu einer Filigranarbeit non beträchtlichem Um-fang begeisterte. Die Abhandlung erschien ursprünglich in„Nord uud Süd." Homberger hat sich selbst viel mitdramatischen Arbeiten getragen; ein kleines Lustspiel vonihm „Er ist nicht liebenswürdig" kam in München zurAusführung, die größeren, beinah vollendeten Stücke harrtennoch der letzten Handanlegung, als der Autor selbst vouder Bühne des Lebens abgerufen wurde. Sein Sprach-sinn ergeht sich in zwei Abhandlungen' „Schriftspracheund Schriftsteller" und „Generalpostmeister und General-sprachmeister", letztere ein kleines Meisterstück. Die Be-sprechung von „Wereschagins Katalog" beschäftigt sichmit den Regeln der darstellenden Kunst.
Diese auf den kürzesten Ausdruck eingeschränkte In-haltsangabe möge genügen, um den anregenden Charakterdes Buchs zu zeigen.