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gutmütige Anerkennung. War es bei Goethe die Nachsichtdes Olympiers, so war es bei Renan die Bonhomie desSkeptikers. Die Spötter bezeichneten ihn nach diesen Um-gangsformen als den Vater der Religion des „^e-in'en-ÜLnisms". Er liebte es, sich als den Bauerusohu derbretonischeu Mutter Erde zu fühlen, meinte, eine langeGeneration von Vorfahren, die nur vegetierend das Landbebant, hätten die Gehirnfaser geschont, um alle Kraft fürihn aufzusparen. Jährlich kehrte er zu seinen Landsleutenzurück, hielt Feste mit ihnen und dabei Reden, denen es angemütlicher Selbstironie nicht fehlte. Ein Zng der Koketterielag diesem auch für den Beifall der Welt gewiß nicht ver-schlossenen Wesen natürlich nahe.
Renan hat auch mehrmals versucht, in die parlamen-tarische Laufbahn einzutreten, aber sowohl bei der Kandi-datur für die Deputiertenkammer als für den SenatSchiffbruch gelitten. Sein feiner Geist war nicht geeignet,das Wohlgefallen der Menge auf sich zu ziehen. Sie willFarben sehen, aber keine Schattierungen. Mit einerTochter des berühmten Malers Scheffer, einer hoch-gebildeten Dame, verheiratet führte Renan ein glücklichesFamilienleben, das nur durch die Kränklichkeit einesSohnes getrübt war. Zu seiner Schwester stand er ineinem rührend zärtlichen Verhältnis, das oft in seinenintimeren Schriften zur Sprache kommt. Seinen Freundenwar er durch Wohlwollen und Liebenswürdigkeit ein ebensoköstlicher wie wertvoller Umgang. Den theologischen Aus-gangspunkt hat sein Aeußeres stets festgehalten. Er sahmit den Jahren, als die Körperfülle zunahm, immer mehraus wie ein Kanonikus. Nicht in den äußeren Umrisfenwar die Feinheit seines Wesens zu erkennen, aber umso-mehr am Mienenspiel und in den subtilen Zügen, in denen