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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
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HWenn einer so ein siebenzigjähriges Jubiläum feiert,wie wir es jetzt beinah täglich in den Zeitungen verzeichnetlesen, sagt man ihm wohl, um ihm die dabei aufsteigendentrüben Gedanken zu verscheuchen, das bedeute heutzutagegar nichts mehr; verbesserte Lebensweise habe die alt-testamentarischen Grenzen hinausgeschoben, und die, welcheman, nach vormaligem Sprachgebrauch, Greise nenne, hättenseit Jahrzehnten die Welt geführt, seien auch bis auf diesenTag in solchen Stellungen noch so zahlreich auf dem Platz,daß dem Nsrasuto mori die Ehre der Erwähnung garnicht bei dem gegenwärtigen schönen Feste gebühre. Allessehr gut! Aber dann kommt doch eines Tages plötzlichFreund Hain und erinnert daran, daß, welche Scherze immerwir uns über seine Gefügigkeit in Sachen des festen Preiseserlaubt haben, an seinem alten Tarif im Ernste nichts ge-ändert sei. Denn er bleibt doch bei dem Schlußsatz:undwenn es hoch kommt, so sind es achtzig." Auch der vor-treffliche Freund, dessen Todesnachricht heute morgen gänz-lich unerwartet eintraf, schien einer von denen zn sein, sürwelche die biblischen Worte nicht geschrieben ständen. Zwarzählte er der Jahre beinahe achtundsiebenzig, aber seinehohe, rüstige, breitschultrige, aufrechte Gestalt, sein lebens-frisches Interesse an allen großen Fragen und insbesonderesein ewig reger Fleiß und Schaffensdrang gemahnten nichtentfernt an die Zeichen der Vergänglichkeit. In seinem letztenBriefe voin Anfang September hatte er noch seinen regel-