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bis jetzt unerreicht dastehen. Das große Geheimnis seinergroßen Leistung war, wie immer, die Liebe zur Sache.Er war mit dem ganzen Herzen dabei. Sie ging Tagund Nacht mit ihm herum. Der Mensch und seine Auf-gabe waren ein einziges Wesen geworden. So wird dasBeste in der Welt vollbracht.
Sein Glück wollte, daß er, in unabhängigen Ver-mögensverhältnissen lebend, ohne alle Nebenrücksichten sichganz feiner Aufgabe widmen konnte. Im Schoß seinerFamilie fand er dazu den vollen Genuß eines behaglichen,von Arbeit und von treuer Liebe der Seinigen getragenenDaseins. Sein Vater, Heinrich Friedrich Soetbeer, Kauf-mann in Hamburg , war früh gestorben. Nach genossenerSchulbildung studierte der Sohn in Berlin und Göttingen Philologie und wurde Lehrer am Johanneuni in Hamburg ,wo er in Tertia den Homer kommentierte. Ein Freund derFamilie, der in dieser Laufbahn wenig Zukunft sah, beredeteihn, eine andere Fährte zu suchen und schlug ihm vor, etwasüber den Stader Zoll zu schreiben. Der junge Gelehrteerklärte, dafür gar kein Verständnis zu haben. Der Freundverschaffte ihm Materialien. Die Arbeit gelang, und soverdiente er seine ersten Spören auf dem Gebiet seineskünftigen Ruhmes. Im Jahre 1840 wurde er Bi-bliothekar, 1843 Konsulent der Hamburger Kommerz-deputation (jetzt Handelskammer): 1846 verheiratete ersich mit der Tochter des Senators Meyer, die ihn über-lebt. Im 1848 nahm er am Vorparlament in Frank-furt Theil. Im Jahre 1872 legte er seine amtliche Stellungnieder und siedelte als Honorarprofessor an die Göttinger Universität über. Er hielt einige Semester Vorlesungen,aber seine Vorzüge waren nicht die, welche Anziehung aufdie Studenten üben. Seine Stärke gehörte der eigenenArbeit in der Sülle des Kabinets. Er war ein guter