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2 (1894) Charakteristiken
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Französischen übersetzes Stück,Der Gesandtschaftssekretär",welches die Zustände unter der Julimonarchie zur Grund-lage hat und in Frankreich längst von der Bühne ver-schwunden ist. Ich vermute, daß eine Menge der darinvorkommenden Anspielungen in dem dicht besuchten Hausekaum noch ein anderer außer mir verstand. Aber die Zu-hörer bis in die Galerien hinauf amüsirten sich über dieMaßen. Auch die Anziehungskraft, welche die ernstereLitteratur Frankreichs auf die anderen Nationen und be-sonders auf die deutsche ausübt, erklärt sich zum Teil gewißaus denselben Reizen, welche den leichteren Gattungen sobreite Wege bahnt. Wie dem nun sei, es ist Thatsache ,daß die Schriften z. B. von Renan oder Taine, Memoiren,wie die der Frau von Remusat oder Talleyrands, eineArt höherer Popularität bei uns genießen"), welche einlöbliches Gegengewicht gegen die Erfolge der Zola oderGoncourt bieten. Vielleicht, und das wäre ganz natürlich,trägt zu jener Popularität besserer Art auch die Besonder-heit der Stoffe bei, mit welchen sich jene Werke beschäf-tigen. Das Zeitalter der Revolution und des ersten Kaiser-reiches berühren uns selbst in nächster Nähe; auch die philo-sophisch-historischen Untersuchungen Renan's und Taingsragen stark ins Gebiet der geistigen Atmosphäre Deutsch-lands herein. Studien über das Leben Jesu oder überShakespeare sind eigentlich eine vorzugsweise deutscheSpezialität. Einige Neuere, welche aus demselben Grundeein Recht auf Beachtung haben, sind Ernst Lavisse undAlbert Sorel . Elfterer hat früher speziell die Geschichteder Mark Brandenburg zum Gegenstand seiner Studiengemacht, in neuerer Zeit die der Jugend Friedrichs des

-) Aehnlichcr Beliebtheit erfreuten sich in früherer Zeit bei unsdie historischen Werke von Thiers und Guizot , die englischen vonMncaulay und Buckle.