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Raubsucht nun gar bald grausam entfesselt. Je länger derKrieg dauerte, je mehr die Notwendigkeit sich aufdrängte,ihn uach alter Weise durch den Krieg zu ernähren, destoschlimmer wurden die Dinge. Bald darauf erhob be-kanntlich die Pariser Regierung das Plünderungsslistemund die indirekte Ausraubung durch Bezahlen mit Assig-naten zum System. Namentlich in Belgien wurde danachverfahren und das Werk der „Befreiung" dadurch unver-meidlich diskredilirt. Das Direktorium vervollkommnetenoch, was die Konventsregierung eingeleitet hatte, undNapoleon s bekannte Proklamation an seine Soldaten vordem Niedersteigen in die reichen Gefilde Italiens gab demnationalen Beuterecht sogar sein Pathos. Ein Teil derBefehlshaber wandte in stiller Prosa die Lehre auf ihreeigene Person an. Der Krieg wird immer ein bösartigesHandwerk bleiben, aber Proklamationen wie die genannteund Privatbereicherung der Generale sind in unserer Zeit,wenigstens in Europa , schwer denkbar. Auf chinesischemBoden haben bekanntlich noch vor wenigen Jahrzehntenetliche Fälle die Erinnerung an die Praxis der früherenZeit wieder aufgefrischt.
Ich erwähne diesen Zug der damaligen Kriegführung,weil er an sich Interesse hat, aber nicht etwa, um nuneinen vergleichenden Seitenblick ans die in Frankreich ver-breitete Meinung von einem schlimmen Verhalten der deut-schen Truppen im letzten Krieg zu werfen; es wäre un-billig, ja unschön, so freimütige und ehrliche Schilderungen,wie sie Chuquet und auch Sorel geben, zn einer Polemikgegen ihre Landsleute zu verwerten. Dagegen verdient einanderer Gesichtspunkt näher gerückt zu werden, weil ernicht für den Hinblick auf länger oder kürzer Vergangenes,sondern für die große immer noch schwebende Streitfragezwischen beiden Nationen seine Bedeutung hat. Bei der