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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
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Mun kann ich mir von ungefähr vorstellen, wie einemPoeten zn Mute sein mag, wenn er ansetzen will, seinenHelden und dessen Thaten zu besingen. Lust und Liebekämpfen in seinem Innern mit dem Bangen vor seinerUnzulänglichkeit, und in seiner Not wendet er sich zuhöheren Mächten, ihren Beistand herbeizurufen. Da ichaber kein Dichter bin und in keinem persönlichen Verhält-nis zu Göttern und Musen stehe, bleibt mir nichts übrig,als mich von Mensch zu Mensch zu wenden, meine Apo-strophe an die nächstbetrofsene Person selbst zu richten.

Verehrter Freund!Seien Sie mir nicht böse, daß ich dem Ansinnen un-serer gemeinsamen Freuudin, der Redaktion dieser Wochen-schrift, Gehör gebend, Sie an Ihrem siebenzigsten Geburts-tag zum Opfer einer Besprechung mache. Ich weiß wohl,das ist Ihnen fatal. Aber Sie werden mir zugeben, esmußte sein. Entgehen konnten Sie dieser Indiskretion aufkeinen Fall. Dafür ist die Buchführung über die Kalender-tage der psalmistischen Termine in deutschen Landen zuwachsam, und das ist uns zu verzeihen. Wir thun jasonst nicht übermäßig viel, um denen, die sich dem Guten,Schönen, Wahren ihr Leben lang widmen, zu zeigen, daßsie nicht vergebens gelebt haben. Wenigstens sofern sienicht Exzellenzen, Durchleuchte oder etwas noch Höheres auf